Ungeahnt authentisch
Metronome klicken und klacken gleich einer kakophonischen Fuge. Die jeden Klavierschüler nervenden Dinger lernen laufen, unter Wasser sogar, wo sie auf den grimmig dreinblickenden Herrn Beethoven treffen, der just hier unten, in den Tiefen des Rheins, der fernen Geliebten in diversen erotischen Unterwasserstellungen näherkommen darf, als es da oben auf Erden möglich wäre. Schließlich herrschen auch in seiner Geburtsstadt derzeit Abstandsregeln, die Sänger, Pantomimen und Kleindarsteller mithilfe von die eigenen Extremitäten verlängernden Roboterarmen artig erfüllen.
Der Umgang mit Nähe und Distanz wird auch am Theater Bonn in der Neuinszenierung von Mauricio Kagels «Staatstheater» thematisiert. Freilich nicht als wohlfeil aktualitätsheischendes Additivum, sondern als der Musik zwischen den Notenzeilen abgelauschte Dialektik. Negation der Oper als Gattung wie als Institution schwebte dem Deutsch-Argentinier für seine einst von Rolf Liebermann in Auftrag gegebene Novität vor, die dann zur skandalumwitterten Uraufführung nur durch Polizeischutz störungsfrei über die Bühne der Hamburgischen Staatsoper gehen konnte. 49 Jahre später und zwölf Jahre nach dem Tod des Wahl-Kölners aus ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Peter Krause
Man sieht es, das Drama. Und muss sogleich an Heinrich Heine denken, an die zweite und dritte Strophe seines tieftraurigen «Traum»-Gedichts, darin die Seele des Dichters so unverkennbar leidet an der Welt. «Ich habe im Traum geweinet, / Mir träumt’, du verließest mich. / Ich wachte auf, und ich weinte, / Noch lange bitterlich. – Ich hab’ im Traum geweinet, / Mir...
Adornos Diktum klebt fest, auch wenn es immer wieder infrage gestellt und kritisch gewendet worden ist: Nach Auschwitz noch Gedichte zu schreiben, sei barbarisch. Und gar eine «Auschwitz-Oper»? Auch wenn es fragwürdig sein mag, einen solchen Begriff auf «Die Passagierin» von Mieczysław Weinberg anzuwenden: Die Notwendigkeit des Erinnerns ist ein Wesenskern der...
Das Gesicht ist klassisch schön, dunkel, klug, nachdenklich blickt es in einen Tischspiegel. Seit Beginn dieser Spielzeit empfängt Mary J. Blige als «Queen B.» solcherart das Publikum im Zuschauerraum der Wiener Staatsoper. Die Rhythm-and-Blues-Diva findet sich im Mittelpunkt eines fotorealistischen Tableaus der afroamerikanischen Konzeptkünstlerin Carrie Mae...
