Ungeahnt authentisch

Kagel: Staatstheater
BONN| THEATER

Opernwelt - Logo

Metronome klicken und klacken gleich einer kakophonischen Fuge. Die jeden Klavierschüler nervenden Dinger lernen laufen, unter Wasser sogar, wo sie auf den grimmig dreinblickenden Herrn Beethoven treffen, der just hier unten, in den Tiefen des Rheins, der fernen Geliebten in diversen erotischen Unterwasserstellungen näherkommen darf, als es da oben auf Erden möglich wäre. Schließlich herrschen auch in seiner Geburtsstadt derzeit Abstandsregeln, die Sänger, Pantomimen und Kleindarsteller mithilfe von die eigenen Extremitäten verlängernden Roboterarmen artig erfüllen.

Der Umgang mit Nähe und Distanz wird auch am Theater Bonn in der Neuinszenierung von Mauricio Kagels «Staatstheater» thematisiert. Freilich nicht als wohlfeil aktualitätsheischendes Additivum, sondern als der Musik zwischen den Notenzeilen abgelauschte Dialektik. Negation der Oper als Gattung wie als Institution schwebte dem Deutsch-Argentinier für seine einst von Rolf Liebermann in Auftrag gegebene Novität vor, die dann zur skandalumwitterten Uraufführung nur durch Polizeischutz störungsfrei über die Bühne der Hamburgischen Staatsoper gehen konnte. 49 Jahre später und zwölf Jahre nach dem Tod des Wahl-Kölners aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Pures Glück

In der rheinischen Mundart gibt es einen Spruch von enormer Weltgültigkeit, den man ins Hochdeutsche übersetzen muss, damit ihn auch Hessen und Schwaben verstehen. Er lautet (grammatisch schief, aber egal): Es gibt kein größeres Leid, als was man sich selbst antut.

In unserem Fall bezieht sich der Satz auf die neue Box mit Aufnahmen des vor 50 Jahren gestorbenen...

Im Freien

Bodo Ramelow war voll des Lobes: «Den Begriff Improvisation hat Rolf Hemke in den letzten Wochen neu definiert», resümierte Thüringens Ministerpräsident in seinem an den Intendanten des Kunstfestes Weimar gerichteten Grußwort am Schlusstag des sich von Ende August bis Mitte September erstreckenden Festivals. In der Tat: Hemke und sein Team trotzten den...

Offene Wunden

Die Aufklärung frisst ihre Kinder. Und Beethoven gibt dazu die Begleitmusik. Ein bedrückender, ja, unerträglicher Befund. Aber eben bittere Realität. Für Millionen, die in der Hoffnung auf ein würdiges (Über-)Leben vor Hunger, Gewalt, Verfolgung und Willkür aus ihrer Heimat vertrieben werden. Und unterwegs erfahren müssen, dass Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit...