Die reine Lust
Gibt es so etwas überhaupt? Eine «freundliche Einsamkeit» und «amouröse Brisen»? Nun ja, bei Wolfgang Amadé Mozart schon, genauer: in jenem zartgliedrigen, leuchtend-verträumten Accompagnato-Rezitativ aus «Idomeneo», das über einem liegenden A-Dur-Akkord anhebt und in der Folge einen samtenen Teppich aus sordinierten Streichern und Klarinetten webt, darauf die verliebte Ilia ihrem Begehren freien Lauf lässt – mit einer elegant verzierten Melodie im Menuett-Rhythmus und federleichten Läufen.
Ein wunderbareres musikalisches Bild für jene schmeichelnden Zephirwinde, die Ilias Liebesgrüße zu ihrem Geliebten Idamante tragen sollen, wäre kaum denkbar.
Regula Mühlemann überbringt die Botschaft auf ihrer zweiten Mozart-CD mit Hingabe und staunenswerter Präzision, ohne jegliche Attitüde. Frei und ungekünstelt strömt ihr Sopran schon in diesem Rezitativ dahin, und auch im anschließenden E-Dur-Arioso erhält sich die Schweizerin ihre Natürlichkeit, die gepaart ist mit einer höchst kultivierten Diktion, akkuratester Phrasierung und einer stupenden Koloraturtechnik, die sie aber nie zum Selbstzweck einsetzt, sondern stets mit Blick auf die semantischen Bezüge der Arie. Im Mittelteil «E voi ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 19
von Jürgen Otten
Der uralte Obsthain ist abgesperrt, der Garten ums Theater überwuchert. Dass man hierher nicht durch die Formschnittanlagen des Herrenhauses geleitet wird, sondern durch von Bauarbeiten verwüstete Brachen, sagt einiges. Dass hier überhaupt etwas stattfindet, aber auch. Festivalchefin Wasfi Kani war eine der ersten, die auf den britischen Inseln wieder etwas wagte,...
Als Intendant hat Ansgar Haag grundsätzlich ein Gespür für die Programm-Melange, die beim heimischen Publikum ankommt und überregionales Interesse weckt. Für die Eröffnung seiner letzten Spielzeit am Staatstheater Meiningen inszenierte er nun selbst ein Stück, das sich ohne Corona-bedingte Einbußen auf die Bühne bringen lässt. Anders als der etwas sperrige Titel...
Die Aufklärung frisst ihre Kinder. Und Beethoven gibt dazu die Begleitmusik. Ein bedrückender, ja, unerträglicher Befund. Aber eben bittere Realität. Für Millionen, die in der Hoffnung auf ein würdiges (Über-)Leben vor Hunger, Gewalt, Verfolgung und Willkür aus ihrer Heimat vertrieben werden. Und unterwegs erfahren müssen, dass Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit...
