Autokino-Oper

Puccini: La Bohème
LONDON | ENO | ALEXANDRA PALACE

Opernwelt - Logo

Die English National Opera hat ihr Lager vorübergehend am Alexandra Palace aufgeschlagen. Auf dem Ostparkplatz, um genau zu sein, gleich hinter dem traditionsreichen Veranstaltungsort, gibt’s aktuell eine Drive-in-«Bohème». 120 Autos werden so sorgsam platziert wie auf einer Autofähre. Wer keins hat, kann einen Leerwagen mieten oder mit dem Fahrrad kommen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind strikt: Fenster nur auf der Fahrerseite öffnen! Macht aber niemand, es ist ein heißer Tag und reichlich Platz.

Nicht herumlaufen! Machen alle, schließlich hat die Anfahrt durch London bei vielen länger gedauert als die Oper selbst und zweifellos vielfach für erbitterte Debatten zur Frage gesorgt: Ist die M 25 der zehnte Höllenkreis oder doch eher die North Circular? Am Parkplatzrand warten mobile Toiletten und ein Gastronomie-Bus (der sich späterhin in das mobile «Café Momus» verwandelt) auf Menschen, die jetzt alles wollen, nur nicht mehr im Auto sitzen. Man sollte vorbestellen und sich am eigenen Wagen bedienen lassen, aber Lust auf Süßes lässt sich schwer planen. Das Eis schmilzt sofort, das muss auch so sein. Klebrige Armaturen steigern das Autokino-Wohlbehagen.

Den Sound holt man sich per ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Verrätselt

Wie oft müsste man leben, um aus dem Tod klug zu werden?» Der Schriftsteller und Philosoph Elias Canetti formulierte diese Frage in seinen zahlreichen Schriften über den Tod, mit dem er haderte, den er am liebsten abgeschafft hätte – «wenn es ginge». Allein, es geht nicht. Bislang.  Man weiß nicht, ob Andriy Zholdak ähnlich wie Canetti dem Tod den Krieg erklärt...

Dunkler Frühling Jugend

Mit vier Solisten und zehn Instrumentalisten, aber ohne Chor ist Hans Thomallas in Mannheim uraufgeführte englischsprachige Oper «Dark Spring» die Corona-Oper der Stunde. Doch nicht nur ihr geringer Aufwand, auch ihr Sujet spiegelt die Bedrückung wider, die die Welt in Atem hält – den Abstand von anderen Menschen. Allerdings geht es weniger um die erzwungene äußere...

Was kommt... November 2020

Krisenmanagement
Wie so viele einst ruhmreiche Musentempel durchlebt auch das Mariinsky Theater gerade eine schwierige Phase. Die Gründe dafür sind vielschichtig und schwer zu durchschauen. Ein Briefreport aus Sankt Petersburg

Verführertalent
Eigentlich war das Violoncello sein Instrument. Doch als es ernst wurde, entschied sich Andrè Schuen für ein Gesangsstudium...