Unerwartete Wendungen
Manchmal sind Nudeln mit Tomatensauce die Lösung. Das Stück ist vorbei, aber der Abend geht im Foyer des Aalto Musiktheater Essen weiter: Ein Jazz-Trio spielt Arrangements der Oper «L’amant anonyme», Darstellerinnen und Darsteller in voller Perückenpracht schwitzen mit in der Menge, und Schaulustige beklatschen die Tänzerinnen und Tänzer auf der Treppe. Es gibt sogar den zarten Ansatz einer Publikumsdiskussion. Alles ist Teil der Inszenierung – von der Handyansage zu Beginn bis zur Gratis-Pasta mit Sekt bei softer Hintergrund -musik.
«L’amant anonyme oder Unerwartete Wendungen» ist ein Erfolg des Formats «Aalto:Start-Up». Hier wird erprobt, wie die Oper sich für möglichst unterschiedliche Menschen öffnen kann. Das Ergebnis: mehr Jüngere im Publikum, mehr Ältere auf der Bühne, mehr Erklärung, aber auch mehr Teilhabe. Die einzige Verliererin des Abends ist die Oper selbst. Und die staubt gewaltig.
Das Regieteam um Zsófia Geréb und Alvaro Schoeck vertraut diesem wenig bekannten Werk zurecht nicht. Der Komponist Joseph Bologne, genannt Chevalier de Saint-Georges, wurde bisher eher als Randnotiz der Klassik verbucht. In den USA wird er wiederentdeckt, in Europa findet er nur zögerlich ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Anna Chernomordik
Vor acht Jahren ging die erste Ausgabe des Opera Forward Festivals in Amsterdam an den Start. Die Welt war noch eine andere, damals sorgte man sich «nur» um einen Rechtsruck in der Politik und wählte für dieses Format bewusst einen Titel, der abgekürzt «OFF» lautet – Verweis auf die freie Szene, die man so ermuntern und einbeziehen wollte. Das ans Amsterdamer...
Richard Wagners Diktum, er sei der Welt noch einen «Tannhäuser» schuldig, lässt sich in gewissem Sinne auch auf Giuseppe Verdis «Don Carlos» übertragen. Nur zum Teil befriedigende Versionen des Stücks gibt es etliche. Regisseur Michael von zur Mühlen, Autor Thomas Köck und Dirigent André de Ridder reihen sich mit ihrer «Freiburger Fassung» nun darin ein. Ihre...
Schön soll sie gewesen sein. Viel mehr Positives findet sich in den «Annalen» des römischen Geschichtsschreibers Tacitus nicht über Poppaea, jene Frau, in die der römische Kaiser Nero so verliebt war, dass er dafür sowohl seine Mutter als auch die ins Exil entwichene Ehefrau ermorden ließ. Dass Claudio Monteverdi ausgerechnet diesem grausamen Paar eines der...
