Editorial Mai 2024

Opernwelt - Logo

Unermüdlich wirkt der Geist, der forscht. 92 Jahre alt ist Alexander Kluge, einer der maßgeblichen Intellektuellen dieses Landes, im Februar geworden und nach wie vor mit einer Wachheit gesegnet, die sich viele jüngere (und wokere) Teilnehmer an gesellschaftspolitisch-künstlerischen Diskursen vermutlich wünschen würden. Jüngster Beleg ist ein gemeinsam mit Sonja Dierks, einer der Mitherausgeberinnen der Zeitschrift «Musik & Ästhetik», verfasster Artikel in der April-Ausgabe dieser Publikation mit der Überschrift «Pluriversum Oper».

Gleich die ersten Sätze dieses Gedankenspiels schlagen mit einer seltenen Macht in unser Bewusstsein – nicht aber, um uns zu schockieren, sondern um uns zum Nachdenken zu animieren: «Wir gehen davon aus», schreiben Dierks und Kluge, «dass der Begriff der Oper erst noch gefunden werden muss, und dass es sich lohnt, die existierenden Opernstoffe über deren Ende hinaus weiterzuerzählen. Es gibt keine Lösung für das Rätsel Oper und die Vielzahl ihrer Formmöglichkeiten. Am Ende bleibt immer eine ganz große Offenheit, ein Aufgeschlossenwordensein für ein Futur zwei, das der Umkehr des Zeitpfeils hinterhergeflogen sein wird».

Zur Begriffserklärung: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Zeit(t)räume

Der Schwanenmord steht noch aus, erst recht der Gang durch Raum und Zeit zur Gralsburg oder Kundrys alles wendender Kuss. Es ist Gurnemanz, der für einen frühen Höhepunkt sorgt. «Ihm neigten sich in heilig ernster Nacht …», singt Georg Zeppenfeld, und man muss innerlich niederknien vor ihm. Dass dieser Bassist für seine Wortverständlichkeit gerühmt wird, passiert...

La Voix humaine

Der «Lear» machte ihn 1978 schnell berühmt. Nicht nur durch die Uraufführung an der Bayerischen Staatsoper: Es waren kleinere Häuser wie Düsseldorf, Nürnberg und Oldenburg, in denen diese Oper sofort fesselte. Nahezu haptisch greifbare Cluster, Akkordwände, die scharf kontrastieren zu äußerster melodischer Verdichtung, Einsamkeit, Innigkeit: Aribert Reimann schrieb...

Zauber der Verwandlung

Verträgt sich die Perspektive der musikalischen Romantik auf Meisterwerke der Vergangenheit mit dem Zugriff der Historischen Aufführungspraxis? Mendelssohns Bach-Bild in seiner Rekonstruktion der «Matthäus-Passion» oder Mahlers Retuschen von Beethovens neunter Symphonie scheinen aus heutiger Sicht doch eher Verschlimmbesserungen gewesen zu sein, die weit mehr über...