Unerlaubtes Begehren
«O douce étoile», seufzt Wolfram, während über der Schneelandschaft Sterne flirren. Und die Hauptfigur heißt nicht Heinrich, sondern Henri. «Tannhäuser» auf Französisch? Wagner hatte seine Oper ja selbst für die Pariser Opéra vorbereitet, in einer Übersetzung von Charles Nuitter. Diese Fassung von 1861 gibt es jetzt an der Côte d’Azur zu hören. Im prunkvollen Casino von Monte-Carlo, wo man nahtlos vom Roulette-Tisch ins Opernhaus wechseln, Laster gegen Erhabenes tauschen kann, zeigt sich: In den instrumentalen Rausch fügt sich die weiche Sprache ohne Kanten bestens ein.
Während im Hafen die Millionärs-Yachten schunkeln, schmaucht Henri auf der Bühne Opium. Über einem leicht ansteigenden Halbrund bäumt sich eine Kuppel, die mit Videos bespielt wird. Die bunten Rauchschwaden und belaubten Zweige spiegeln sich im glatten Boden, während Venus und ihre Doubletten – rothaarige Luxus-Escorts in Seidenbademänteln – um Tannhäuser herumstreichen. Später, zum Auftritt des Hirten, reißt die Wolkendecke auf. Die fließenden Visionen verbinden sich wirkungsvoll mit der Musik, doch akustisch ist die Kuppel nicht unproblematisch, weil sie den Schall ungleichmäßig in den Saal zurückwirft. Bewegt sich ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Wiebke Roloff
Breughelland ist noch lange nicht abgebrannt. Und radioaktiv schon mal gar nicht. Da können noch so viele gelbe Giftfässer in der Philharmonie herumstehen, noch so viele Stimmakrobaten in weißen Schutzanzügen auf der Bühne wuseln und noch so viele Atompilze auf Flatscreens aufsteigen. In György Ligetis frei nach Michel de Ghelderodes Schauspiel «La Balade du Grand...
Robert Zemeckis Filmtrilogie «Back to the future» aus den 1980er-Jahren vermittelte ein melancholisches Gefühl der Heimatlosigkeit. Die Streifen spielten mit dem durch Zeitreisen verursachten Paradoxon: mit der zur Vergangenheit gewordenen Zukunft und einem Protagonisten, der sich zurückwünscht, um das Unwiderrufliche zu widerrufen. In weit realistischerem und...
Einige Fragen vorweg: Ist «El amor brujo» überhaupt eine Oper? Womöglich eher ein Monodram? Oder eine Miniatur-Zarzuela? Und welche der vier verfügbaren Versionen spiegelt die Intentionen des Komponisten am besten wider? Mit «Gitanería» jedenfalls war das Konzept überschrieben, das die berühmte Flamenco-Sängerin und -Tänzerin Pastora Imperio 1914 dem Komponisten...
