Gravierende Lücken
Endlich ist Mieczysław Weinberg am Bolschoi Theater angekommen. Mit seiner Dostojewski-Oper «Der Idiot». Mehr als 20 Jahre nach seinem Tod und fast 50 Jahre nach einem ersten Anlauf. Damals, im verhängnisvollen Jahr 1968, als sowjetische Panzer den Prager Frühling beendeten, stand «Die Passagierin» auf dem Premierenplan, man probte bereits. Doch dann wurde die Produktion abgesagt. Dass nun ein Bühnenwerk des Komponisten ins Repertoire aufgenommen wurde, ist also kein gewöhnliches Ereignis.
Parallel zu den Aufführungen veranstaltete die Zeitschrift «Musikalnoje obosrenije» («Musical Review») ein internationales Weinberg-Symposium. Im Einführungstext zum Programm heißt es, Weinberg sei eine Art «Blaupause des sowjetischen Komponisten» gewesen, der für Lenin-Geburtstage, die Oktoberrevolution, die Eröffnung des XXVII. Parteitages der KPdSU und «zum Ruhm der Freundschaft der Völker in der UdSSR» komponiert habe.
Weinbergs Werke wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren in seiner Wahlheimat oft aufgeführt, er wurde als verdienter Volkskünstler der RSFSR ausgezeichnet, erhielt sogar den Staatspreis der UdSSR. «Der Idiot» entstand zwischen 1984 und 1986, in einer Zeit, als die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Alexej Parin
Robert Zemeckis Filmtrilogie «Back to the future» aus den 1980er-Jahren vermittelte ein melancholisches Gefühl der Heimatlosigkeit. Die Streifen spielten mit dem durch Zeitreisen verursachten Paradoxon: mit der zur Vergangenheit gewordenen Zukunft und einem Protagonisten, der sich zurückwünscht, um das Unwiderrufliche zu widerrufen. In weit realistischerem und...
HELMUT LACHENMANN
«Das Mädchen mit den Schwefelhölzern», 1997 in Hamburg uraufgeführt und seither vielfach nachgespielt, ist sein erfolgreichstes Werk. Weniger prominent sind die anderen Vokalstücke, die der 81-Jährige geschrieben hat. Was bedeutet ihm die menschliche Stimme? Instrument unter Instrumenten? Ein Gespräch
ARIADNE AM POLARKREIS
Vom norwegischen Bodø...
Das Beste kam zum Schluss. Jedenfalls für den Hörer in Block J, Reihe 2, Platz 12, oben auf der gewellten Rang-Ellipse. Ein Stück für drei Klaviere, drei Harfen und drei Schlagzeuger von Pierre Boulez, «sur Incises». Hier mischte sich zu irisierend wogenden, explosiv-delikaten Gespinsten, was zuvor – bei Mozart (Es-Dur-Quartett KV 493) zum Beispiel oder bei...
