Unerhört genau
So wenig Marie steckte noch nie in einer Marietta: Während Pauls Verflossene das Sinnbild treuer, holder, fragiler Weiblichkeit gewesen sein muss, ist die potenzielle Neue an seiner Seite eine unfasslich exaltierte Zicken-Femme fatale. Sie macht alles falsch, um auch nur ansatzweise ins Bild der Toten zu passen, das sich der Witwer in seinem stilistisch der Entstehungszeit des Werks angenäherten Kleinbürgeridyll als Gemälde aufgestellt hat (Bühne: Valentin Mattka). Immerhin stimmt die Diva auf dem Divan des Herrn Paul das tränentreibende Lied «Glück, das mir verblieb» an.
Es ruft in ihm die Erinnerung an seine verstorbene Gattin Marie vollends wach und verleitet ihn zu einer folgenschweren Projektion: Bei der ersten Strophe sitzt der Witwer noch in gesittetem Abstand zu seiner Besucherin auf einem Stuhl, die zweite Strophe singt er selbst – an ihrer Seite auf dem Sofa. Jetzt müsste es eigentlich zum ersten Kuss kommen. Kommt es aber nicht. Denn dieser Paul ist ein sittenstrenger Spießer mit Nickelbrille, Glatze und Gewissensbissen. Da schickt es sich mitnichten, mal eben mit einer Unbekannten anzubandeln.
Die junge Regisseurin Luise Kautz hat an der Oper Kiel so unerhört genau auf ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Peter Krause
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Ob und wann der «Rigoletto» in München zu sehen sein wird, steht in den Sternen. Nikolaus Bachler war...
JUBILARE
Sieghart Döhring kam im ostpreußischen Bischofsburg/Biskupiec zur Welt. Er studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Hamburg und Marburg/Lahn, wo er 1969 mit einer Arbeit über die «Formgeschichte der Opernarie vom Ausgang des achtzehnten bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts» promoviert wurde. Von 1983 bis 2006 leitete er das...
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