Freiheit und Erkenntnis
Wer sich erkennen will, braucht Abstand zu sich selbst. Er muss aus der Befangenheit in den eigenen Verhältnissen hinaustreten können, frei werden von den Imperativen seines Alltags, dessen bloße Abbildung nichts als neue Nötigung wäre. Darin liegt die große Weisheit der Alten, zumal des barocken Theaters, das Geschehen der Oper zu verlegen an ferne Orte und in ferne Zeiten.
Der Regisseur Johannes Pölzgutter hat es am Theater Regensburg verstanden, diesen Vorgang der Distanzierung als Gewinn von Freiheit und Erkenntnis auf die Bühne zu bringen – und zwar in dreifacher Weise: als Teil einer berührend erzählten Geschichte, als Strukturbeschreibung der barocken Zauber- und Maschinenoper sowie als Reflexion auf die Spannung zwischen historisierendem und aktualisierendem Theater.
Er verlegt die verwirrende, eher harmlose, musikalisch jedoch bezaubernde Geschichte zweier Hirten und zweier Nymphen, die Antonio Vivaldi unter dem Titel «La fida ninfa» 1732 herausgebracht hatte, scheinbar in unsere Zeit. In Folge eines Bürgerkriegs ist Narete mit seinen zwei Töchtern Licori und Elpina vom Menschenhändler Oralto verschleppt worden. Sie leben in einem schäbigen Verlies zusammen mit Osmino, ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jan Brachmann
Tote Ratten unter den Garderoben, ein bestialischer Gestank aus der Kanalisation, eine Heizung, die nur unter Vollgas oder gar nicht funktioniert, nicht zu vergessen der Lärm, der von den Messehallen herüberschallt: Theater machen, das bedeutet in Landshut Ausnahmezustand. Seit fünf Jahren geht das schon so. Seit dieser Zeit spielt und singt das Landestheater...
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Er war der letzte bedeutende Zeuge einer großen Ära der italienischen Oper und ein vielseitiger Sängerschauspieler der Sonderklasse: der Bariton Rolando Panerai. 1924 in Campo Bisenzio (bei Florenz) geboren, debütierte er nach Studien in Florenz und Mailand 1946 in seinem Heimatort als Enrico in «Lucia di Lammermoor». Erste herausragende Aufgaben fand er beim...
