Unendliche Glückseligkeit

Das Ravenna Festival glänzt mit ästhetisch-eleganten Produktionen von Purcells «Dido and Aeneas» und Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria»

Opernwelt - Logo

In ihrer barocken Blütezeit rücken die Schöpfer von Stillleben nicht nur frische Früchte, Fische oder Blumen ins rechte Licht ihrer Ateliers. Niederländische, italienische, spanische, französische oder deutsche Meister der Malerei wählten allzu gern auch Musikinstrumente als ihren Gegenstand – mitunter in Verbindung mit kulinarischen Köstlichkeiten, deren vielsagende Attribute mal religiöse Botschaften, mal erotische Schlüpfrigkeiten vermitteln oder aber einfach nur repräsentativ dekorative Schönheit verströmen.

Im Nachgang William Shakespeares mag da auch die berühmte Sentenz des Orsino aus «Twelfth Night» hineinspielen: «If music be the food of love, play on.»

Pier Luigi Pizzi stellt in den rein weißen Einheits-Erinnerungsraum der barocken Herbsttrilogie des Ravenna Festivals jedenfalls kaum mehr als einen breiten Tisch; ihn arrangiert der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner in Personal -union zum dezidiert musikalischen Stillleben. Die Statik des barocken Bildes wird bald mit echtem Leben gefüllt: Junge, ausgelassene Menschenkinder in schwarzer Kleidung bevölkern die Bühne; ein Teil von ihnen steigt in den hochgefahrenen Orchestergraben des Teatro Alighieri hinab, ein anderer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Tenorale Hammerwürfe

Am Abend des Jahres 1837 ging an der Pariser Oper der Tenorgesang eine freundliche Allianz mit der Athletik ein. Und zwar dank Gilbert Louis Duprez als Melchthal in Rossinis «Guillaume Tell»: In der Arie «Asile héréditaire» schleuderte er ein ut de poitrine, ein aus dem Brustregister gestemmtes hohes C, in den Raum wie ein Hammerwerfer sein Gerät. Es war quasi die...

«Man darf die Wahrheit nicht schminken!»

Lieber Herr Konwitschny, ist die beste aller möglichen Welten noch zu retten?
Woher soll ich das denn wissen? Allein die Frage ist schon falsch. Jedenfalls kann ich sie nicht beantworten. Aber ich will es mal so sagen: Es wäre furchtbar, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.

Wie aber sollen wir die Generation unserer Kinder davon überzeugen, dass der Hegel’sche...

Alleluja!

Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...