Liebe ist stärker als der Tod
Nein, dieses Bild ist nicht bezaubernd schön, es ist be(d)rückend trist. Kaum sind die Freunde gegangen, schon klopft das Schicksal in schwer schleppenden Vierteln an die unsichtbare Tür, und man spür die ganze, große Einsamkeit eines Paars, das vermutlich längst weiß, wie die Sache enden wird. Hand in Hand, eng umschlungen, liegen Maraike Schröter als Mimì und Daniel Pataky als Rodolfo auf einer schäbigen Matratze; es ist das einzige Wohnutensil, das ihnen geblieben ist.
Und während Puccinis Musik unter den sanften Händen des Dirigenten Dominic Limburg und der mit größter Sensitivität spielenden Robert-Schumann-Philharmonie eine Reise durch die dunkel verschleierten harmonischen Sphären unternimmt, von c-Moll bis zum final verhauchenden cis-Moll, sind zwei Körper und Seelen ein letztes Mal vereint. Der feine Unterschied zum Original: Dieses Paar kennt und liebt sich schon seit 20 Jahren. Wir sehen nicht das Ende einer flüchtigen Liaison, wir sehen das Ende einer auch sängerisch berührenden Utopie.
Die Idee von Regisseurin Magdalena Fuchsberger, die «La Bohème» am Theater Chemnitz inszeniert hat, ist plausibel: Schon der Schöpfer selbst nannte sein Werk nach Henri Murger nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten
Adèle Hugo (1830–1915) wurde schon einmal wiederentdeckt – 1968, als der erste Band ihrer umfangreichen Tagebücher erschien und François Truffaut ihre tragische Lebensgeschichte mit Isabelle Adjani in der Titelrolle verfilmte. Die künstlerisch hochbegabte Tochter des Lyrikers, Dramatikers und Romanciers Victor Hugo war ihrem Vater 1852 ins Exil auf die britische...
Wieviel Feinheit verträgt die Kunstform Oper? Charles Gounod schrieb für «Roméo et Juliette» eine außerordentliche Musik: gelehrt in der Verwendung traditioneller polyphoner Techniken, gediegen in ihrem wohltönenden, kunstvoll ausbalancierten Stimmensatz, raffiniert in der Aufbietung aparter Klangeffekte. Vom «großen Pinsel» machte Gounod ungern einmal Gebrauch, er...
Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...
