Liebe ist stärker als der Tod

Puccini: La Bohème am Theater Chemnitz

Opernwelt - Logo

Nein, dieses Bild ist nicht bezaubernd schön, es ist be(d)rückend trist. Kaum sind die Freunde gegangen, schon klopft das Schicksal in schwer schleppenden Vierteln an die unsichtbare Tür, und man spür die ganze, große Einsamkeit eines Paars, das vermutlich längst weiß, wie die Sache enden wird. Hand in Hand, eng umschlungen, liegen Maraike Schröter als Mimì und Daniel Pataky als Rodolfo auf einer schäbigen Matratze; es ist das einzige Wohnutensil, das ihnen geblieben ist.

Und während Puccinis Musik unter den sanften Händen des Dirigenten Dominic Limburg und der mit größter Sensitivität spielenden Robert-Schumann-Philharmonie eine Reise durch die dunkel verschleierten harmonischen Sphären unternimmt, von c-Moll bis zum final verhauchenden cis-Moll, sind zwei Körper und Seelen ein letztes Mal vereint. Der feine Unterschied zum Original: Dieses Paar kennt und liebt sich schon seit 20 Jahren. Wir sehen nicht das Ende einer flüchtigen Liaison, wir sehen das Ende einer auch sängerisch berührenden Utopie.

Die Idee von Regisseurin Magdalena Fuchsberger, die «La Bohème» am Theater Chemnitz inszeniert hat, ist plausibel: Schon der Schöpfer selbst nannte sein Werk nach Henri Murger nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Selbst die Hölle ist hier ein Himmel

Am Ende rennt sie ihm davon. Frisch getraut, reißt sie sich den Schleier vom Kopf, knallt ihm den Brautstrauß vor die Füße - nichts wie weg! Das ist bei Händel natürlich nicht so vorgesehen, aber aus heutiger Sicht, zumal aus weiblicher Regieperspektive, darf sich eine junge Frau nicht mehr als Dummchen verkaufen lassen – nach all dem, was ihr widerfahren ist....

Raritäten durchaus erwünscht

Nicht, dass es in den zwei Jahrzehnten zuvor schlecht gelaufen wäre, keineswegs. Immerhin wurde während der Intendanz von Eric Vigié der hochmoderne Anbau, mit dem die Opéra de Lausanne eine eigene Produktionsstätte erhielt, seiner Funktion übergeben. Doch mit der Ankunft von Claude Cortese, dem neuen Intendanten der Opéra de Lausanne, hat jetzt auch künstlerisch...

Ein Häufchen Elend

Italienerinnen und Italiener haben ein gespaltenes Verhältnis zum Wasser. Zwar verbringen sie ihre Ferien am liebsten am Strand – doch schwimmen gehen sie kaum. Die Allermeisten wagen sich höchstens bis zur Hüfte ins Meer. Dort telefonieren sie dann ausgiebig, manchmal plaudern sie auch mit real anwesenden Mitmenschen. Junge Leute werfen sich, im Kreis stehend,...