Undine geht
Ein Herz pocht. Sanft, kaum hörbar, in wiegenden Triolen. Es könnte das Herz der Natur sein, aber auch das jener Nymphe, die hier, abseits der Menschenwelt, ein Dasein fristet, welches ihr Glücksmomente nur noch selten beschert; der elegisch-wehmütige Streichergesang in der Ouvertüre von Dvořáks «Rusalka» erzählt geradezu rührend davon. Doch würde die schöne Jungfrau genau hinhören in diesem Andante sostenuto, könnte sie zumindest ahnen, dass auch die launische Fortuna ihre (schwieligen) Hände im Spiel hat.
C-Moll, das klingt kaum nach Heiterkeit oder Hoffnung, und auch die Tatsache, dass Dvořák für eine Weile in die parallele Dur-Tonart wechselt, ändert nichts am Grundduktus dieses Beginnens: zu instabil ist das harmonische Gerüst. Auf verminderten Akkorden und Quartsextkonstruktionen lässt sich eine schöne neue Welt nun einmal nicht bauen.
Und so rutscht Kiandra Howarth über die glattgeschliffenen Riesenkiesel (oder sind es Baby-Dronte-Eier?), die ihr Bühnenbildner Klaus Grünberg auf den Boden ihres mond- und wasserlosen Zwischenreichs gelegt hat, das von einer weißen, mit schleimigen Fenstern versehenen Decke nach oben und von Vorhängen an den Seiten fast hermetisch ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 26
von Jürgen Otten
Opern als akustisches Theater, als «theatre of the mind», wie es einst die Schallplatten-Produzenten Walter Legge und John Culshaw (von dem das Zitat stammt) verwirklichten, gehören schon lange der Vergangenheit an, weil sie nicht mehr finanzierbar sind. Dass Warner sich jetzt den Luxus leistete, Giacomo Puccinis «Turandot» im Februar 2022 an neun Tagen in Rom vor...
Zunächst seh’n wir den Aufstieg einer schönen Frau,
Die liebt – und selbst umgarnt wird, von Diversen.
Kein Stück Musik für eine Landesgartenschau,
Regietheaterliebling der Perversen.
Auf einen Ton, da folgen stets elf weitere,
Fast wie im Fall der Männer: Mann für Mann.
Ein Maler stirbt (es gibt halt auch Gescheitere),
Man bumst mit voller Wucht auf’s Gamelan.
n...
Wie war das noch gleich in Ingomar von Kieseritzkys «Mord in der Villa Massimo»? Malt da nicht ein frommer katholischer Künstler unentwegt Monstranzen – bis sich herausstellt, dass der Schlawiner immer nur das weibliche Genital damit gemeint hat? Vergleichbare Heuchelei, aber ohne ironischen Twist, stellt Anita Rutkofsky in ihrer Regie von Janáčeks «Katja Kabanowa»...
