Undine geht
Ein Herz pocht. Sanft, kaum hörbar, in wiegenden Triolen. Es könnte das Herz der Natur sein, aber auch das jener Nymphe, die hier, abseits der Menschenwelt, ein Dasein fristet, welches ihr Glücksmomente nur noch selten beschert; der elegisch-wehmütige Streichergesang in der Ouvertüre von Dvořáks «Rusalka» erzählt geradezu rührend davon. Doch würde die schöne Jungfrau genau hinhören in diesem Andante sostenuto, könnte sie zumindest ahnen, dass auch die launische Fortuna ihre (schwieligen) Hände im Spiel hat.
C-Moll, das klingt kaum nach Heiterkeit oder Hoffnung, und auch die Tatsache, dass Dvořák für eine Weile in die parallele Dur-Tonart wechselt, ändert nichts am Grundduktus dieses Beginnens: zu instabil ist das harmonische Gerüst. Auf verminderten Akkorden und Quartsextkonstruktionen lässt sich eine schöne neue Welt nun einmal nicht bauen.
Und so rutscht Kiandra Howarth über die glattgeschliffenen Riesenkiesel (oder sind es Baby-Dronte-Eier?), die ihr Bühnenbildner Klaus Grünberg auf den Boden ihres mond- und wasserlosen Zwischenreichs gelegt hat, das von einer weißen, mit schleimigen Fenstern versehenen Decke nach oben und von Vorhängen an den Seiten fast hermetisch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 26
von Jürgen Otten
Über den Köpfen des Publikums fliegen die Fetzen, man sitzt mitten im Kreuzfeuer verfeindeter ästhetischer Positionen. Regisseur Guillermo Amaya hat die gegnerischen Lager in seiner Heidelberger Inszenierung auf den Treppen des Zuschauerraumes und an der Bühnenrampe postiert. Komische, Tragische, Lyrische und Hohlköpfe liefern sich einen furiosen Schlagabtausch. In...
Die Cavatine des Georges Brown aus Boieldieus 1825 uraufgeführter Oper «La Dame blanche» ist – wie der ungleich bekanntere Schlager des Chapelou aus Adams «Le postillon de Lonjumeau» – ein Testfall für die Eleganz, Höhensicherheit und stilistische Eloquenz, dem seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts kaum ein Tenor mehr gewachsen war. Für Cyrille Dubois bildet sie den...
Müsste man eine irgendwie adäquate Übersetzung für den Titel des Albums «Lumières Ottomanes» der libanesischen Sängerin Lamia Yared und des Ensemble Oraciones finden, so wäre wohl «Vielfalt des Osmanischen Reichs» am ehesten angemessen. Denn was die Sängerin und ihr Ensemble hier versammeln, lässt sich weder auf einen ästhetischen noch auf einen epochenmäßigen...
