Mittlerin zwischen den Welten
Müsste man eine irgendwie adäquate Übersetzung für den Titel des Albums «Lumières Ottomanes» der libanesischen Sängerin Lamia Yared und des Ensemble Oraciones finden, so wäre wohl «Vielfalt des Osmanischen Reichs» am ehesten angemessen. Denn was die Sängerin und ihr Ensemble hier versammeln, lässt sich weder auf einen ästhetischen noch auf einen epochenmäßigen Nenner bringen. Wir hören Musik, die sich von ihrer osmanischen Herkunft her über Vorderasien zum Balkan, vom mittelalterlichen Spanien bis nach Konstantinopel, Griechenland und noch weiter erstreckt.
Musiziert auf Bratsche, Kanun (eine orientalische Kastenzither), Schlagzeug, Kemençe (eine türkische Kastenhalslaute), Violoncello, Oud (eine Schalenhalslaute aus dem vorderen Orient) und Klarinette; nebst Gesang freilich.
«Landarico» etwa erzählt als Ballade eine Geschichte über weibliche Untreue: Eine Königin wird für den von ihr begangenen Ehebruch mit dem Tode bestraft. Ursprünglich spanisch, fand «Landarico» im sephardischen Sprachraum sowie in Serbien und anderswo Verbreitung. Gleich dieser (zweite) Titel des Albums steht demgemäß als Synonym für die vielfältigen Wege von Geschichten und Geschichtsvarianten des ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 36
von Arno Lücker
In seiner dem Libretto zugrunde liegenden Schauspielversion des antiken Stoffs hat Hugo von Hofmannsthal die Gestalt der Sophokleischen Elektra in eine moderne, vom Geist der nervösen Unrast des Fin de Siècle geprägte Figur verwandelt. Das Nietzsche und Freud zusammenzwingende Psychodrama zeigt sie als traumatisierte, von einem einzigen Wunsch besessene Frau: den...
Allein die fehlerhafte Übersetzung zeigt, wie fern uns die Figur ist. Gottesnarr, Jurodstwo, damit ist eigentlich der «Narr in Christo» gemeint, eine irdische Figur – mit mutmaßlich heißem Draht nach oben. Heiliger, verehrter und gefürchteter Außenseiter, Wahrheitskünder, verspotteter Gaukler – alles fällt in dieser Figur zusammen, bei Puschkin, auch bei...
Der Wahnsinn hat Methode bei Shakespeare, vor allem in höheren Kreisen. König Leontes, von seiner Eifersucht übermannt, mutiert zum tauben Tyrannen, Macbeth und seine Lady ertrinken im Blut ihrer Mordlust, Lear irrt, seines Reichs und aller Ideale beraubt, über die Heide, und selbst ein Rationalist wie Richard III. entkommt den Geistern nicht, die er rief. In all...
