Träumerische Magie
Die Cavatine des Georges Brown aus Boieldieus 1825 uraufgeführter Oper «La Dame blanche» ist – wie der ungleich bekanntere Schlager des Chapelou aus Adams «Le postillon de Lonjumeau» – ein Testfall für die Eleganz, Höhensicherheit und stilistische Eloquenz, dem seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts kaum ein Tenor mehr gewachsen war.
Für Cyrille Dubois bildet sie den Ausgangspunkt seiner neuesten CD, auf der er die Entwicklung des ténor de grâce – des Protagonisten der Opéra-comique – bis zur Überwältigung dieses leichten, typisch französischen Stimmklangs durch den Heldentenor der Grand Opéra und später des italienischen Verismo verfolgt. Boieldieus Arie ist ein Musterbeispiel eines romantischen Grand Air. Wie bei einer vom Palazzetto Bru Zane unterstützten Einspielung nicht anders zu erwarten, hören wir die komplette Szene, nicht nur Browns erwartungsvolle Huldigung an die geheimnisvolle «weiße Dame». Dubois gestaltet das Cantabile mit betörender vokaler Delikatesse, singt sich in den Fiorituren der anschließenden Cabaletta in eine überwältigende virtuose Begeisterung, um dann in den pianissimi der kurzen Coda des langsamen Teils in träumerische Magie zu versinken.
Eine andere ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 33
von Uwe Schweikert
Müsste man eine irgendwie adäquate Übersetzung für den Titel des Albums «Lumières Ottomanes» der libanesischen Sängerin Lamia Yared und des Ensemble Oraciones finden, so wäre wohl «Vielfalt des Osmanischen Reichs» am ehesten angemessen. Denn was die Sängerin und ihr Ensemble hier versammeln, lässt sich weder auf einen ästhetischen noch auf einen epochenmäßigen...
Zunächst seh’n wir den Aufstieg einer schönen Frau,
Die liebt – und selbst umgarnt wird, von Diversen.
Kein Stück Musik für eine Landesgartenschau,
Regietheaterliebling der Perversen.
Auf einen Ton, da folgen stets elf weitere,
Fast wie im Fall der Männer: Mann für Mann.
Ein Maler stirbt (es gibt halt auch Gescheitere),
Man bumst mit voller Wucht auf’s Gamelan.
n...
Herr Dusapin, von Nikolai Rimski-Korsakow ist die schöne Sentenz überliefert, Kunst sei «im Grunde die bezauberndste und hinreißendste Lüge». D’accord?
Die Kunst eine Lüge? Eine interessante Ansicht. Für mich ist Kunst, insbesondere Musik, die überwiegende Zeit dazu da, etwas zu verbergen.
Aber was?
Sich selbst, in meinem Fall also den Komponisten. Wobei es für...
