Lachen ist Trumpf
Über den Köpfen des Publikums fliegen die Fetzen, man sitzt mitten im Kreuzfeuer verfeindeter ästhetischer Positionen. Regisseur Guillermo Amaya hat die gegnerischen Lager in seiner Heidelberger Inszenierung auf den Treppen des Zuschauerraumes und an der Bühnenrampe postiert. Komische, Tragische, Lyrische und Hohlköpfe liefern sich einen furiosen Schlagabtausch. In Chor und Orchester erhebt sich dazu eine lautstarke, grellbunte Kakophonie.
Prokofjews 1921 uraufgeführte Oper «Die Liebe zu den drei Orangen» ist großes Theater über das Theater: parodistisch, satirisch und fabulös in allen Stilrichtungen wildernd.
Der Abend spielt auf einer drehbaren Varieté-bühne (Bühnenbild: Ralph Zeger) mit Samtvorhängen und silbernem Flitterbehang. Auf grellen Jahrmarktsplakaten prangen knallrote Münder und skurrile Clowns. Lachen ist Trumpf. Doch hinter den Kulissen leidet ausgerechnet die Hauptfigur an todbringender depressiver Hypochondrie. Während eine Komödiantentruppe sich krampfhaft bemüht, den Prinzen aufzuheitern, sucht der König die Leidensmiene seines Sohnes mit einer Lupe nach einem Anflug von Heiterkeit ab. Vergeblich: kein klitzekleines Kräuseln der Lippen, nicht einmal ein Zucken ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Silvia Adler
In dämmrigen Grüften wohnt kein Dur. Schicksalhaft verdüstert ist dort das Dasein, von Trübsal dominiert. Und so verwundert es wenig, dass Richard Strauss für den Beginn des Orchesterlieds «Frühling» die Tonarten c-Moll und as-Moll wählt. Zwischen diesen beiden Traurigkeiten zwängt sich das Alter Ego des Komponisten in der Vertonung von Hermann Hesses Gedicht...
Sie ist die amtierende Carmen in Herbert Fritschs knallbunter Inszenierung an der Hamburger Staatsoper: Die russische Mezzosopranistin Maria Kataeva absolviert Fritschs gnadenlose Überzeichnungen und ironische Klischeespielereien ebenso souverän wie das unvermeidliche Kastagnettengeklapper zu kreisenden Hüften. Kataeva gastiert auch an der Münchener Staatsoper und...
In einem «Siegfried», dem am schwierigsten zu bebildernden Teil von Wagners «Ring», ist schon einiges gewonnen, wenn es szenisch nicht peinlich wird. Am Landestheater Coburg zeigt Alexander Müller-Elmau in dieser Hinsicht eine über weite Strecken glückliche (Regie-)Hand, und irgendwo ist es recht und billig, dass der Kräftigste unter den Helden auch hier kein...
