«Und Kunst geknebelt von der groben Macht»
Für Jewgenij Mrawinski, den ruhmreichen russischen Dirigenten, der seine Symphonien auswendig im Kopf hatte, war er ein «naiver Ritter mit der edlen Seele». Ein Mensch, der vom allgemeinen Glück träumte, Gewalt in jeder ihrer Formen abgrundtief hasste und bereit war, alles dafür zu opfern, um das soziale Übel auszurotten. Ein Idealist also, der in seiner Kunst aber keineswegs davor zurückschreckte, das Schreckliche in die entsprechenden Klänge zu kleiden.
«Schostakowitschs Größe», so Mrawinski im Mai 1966, «wird für mich vor allem durch die Bedeutsamkeit jener gesellschaftlichen und ethischen Idee bestimmt, die sein gesamtes Schaffen durchzieht: ‹Ich möchte nicht, dass es jemandem schlecht geht› – davon spricht er in seiner Musik.» Vor 50 Jahren starb Dmitri Schostakowitsch, ausgezehrt, gezeichnet, desillusioniert. Sein Leben war eine einzige Achterbahnfahrt gewesen, was wenig verwundert, wenn man weiß, in welchen (sozio- und kultur-)politischen Konstellationen er sich zurechtfinden musste. Geboren im Zarenreich, ein Jahr nach den Unruhen und Aufständen rund um den Petersburger Blutsonntag, sah sich das Wunderkind seit der Oktoberrevolution 1917 mit einer Realität konfrontiert, die ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Essay, Seite 70
von Jan Verheyen
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arte
04.08.– 00.05 Uhr Francesco Cilea: Adriana Lecouvreur
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