Und die im Dunkeln sieht man doch
Ein Gespenst geht um in Europa. Doch nicht jenes furchterregende Schreckensbild, das Karl Marx und Friedrich Engels 1848 in ihrem «Kommunistischen Manifest» heraufbeschworen, verbirgt sich hinter der schwarzen Maske. Es ist, wer hätte es gedacht, der Kapitalismus, dessen Wesen und Wirkung die Menschen – neben zahllosen anderen rationalen wie irrationalen Anfechtungen – zusehends ängstigt.
Denn nicht als irgendwie entfesselter Prometheus «beglückt» diese moralbefreite Wirtschaftsform den Kontinent (und, seien wir ehrlich, inzwischen, nach dem «Ende der Geschichte», eigentlich den gesamten Erdenkreis); ihr grelles Licht wirft dort, wo sie erscheint, zugleich riesige Schattenberge, hinter denen der neue, interessengeleitete Mensch mit den «blöden Maulwurfsaugen der Selbstsucht» (Joseph Vogl) zurückbleibt – und dabei mit seinesgleichen äußerstenfalls einen Verein zur gemeinsamen Abwehr des Schlimmsten (oder zum eigenen Aufstieg) unterhält. Die Folgen sind eklatant: Nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Es ist vor allem das Gefühl vieler, nicht mehr dazuzugehören, eine kollektive Angst vor dem sozialen Niedergang, kurz: die spätmoderne Vision einer ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten & Wiebke Roloff
Wie es fassen? Wie es genau definieren? «Alles klingt natürlich, es ist Kunst und es ist Natur», müht sich Nikolaus Harnoncourt um eine Einkreisung. «Der Komponist malt und seine Klänge bewegen sich.» Und das Spielen? «Wir machen es alles so, als gäbe es nichts als lebende, überraschende Musik.» Ende der 1960er-Jahre ist das passiert, bei «L’Orfeo». Und wer diese...
Es war das perfekte Geschenk zum 20. Geburtstag Ludwigs II. In einem elektrisch beleuchteten Kahn ließ sich der junge Flügeladjutant nachts bei Schloss Hohenschwangau über den Alpsee ziehen, im Schwanenritterkostüm den Lohengrin singend. Paul von Thurn und Taxis, Spross einer alten Regensburger Adelsfamilie und nur zwei Jahre älter als der junge König von Bayern,...
Donnerwetter! Allein dieser eine Mann würde genügen, der ersten polnischen «Meistersinger»-Aufführung seit fast 100 Jahren einen runden Erfolg zu bescheren: Frank van Hove ist als studierter Theologe und Philosoph der geborene Hans Sachs, und er singt ihn mit bewundernswert deutlicher Artikulation, bergseewasserklar, durchdringend, jederzeit auch schauspielerisch...
