Auf der Flucht
Die Nacht der Liebe, sie ist Unter den Linden nicht Rausch, nicht Zauberspuk oder Krankheit, sondern eine Bedrohung. Ein Spiel, das Tristan nur zum Schein mitspielt. Weil es kein Entrinnen gibt aus dem Hause Marke. Weil Isolde nicht locker lässt, es wirklich ernst meint mit ihm, der am liebsten davongelaufen wäre. Zur Jagd mit der feierlaunigen Gesellschaft, die ihn eben noch wie ein Kokon umfangen hatte. Hinaus mit der Hörner Schall, fort von ihr, der Frau seines Chefs, die nicht lassen kann von der idée fixe, er sei die einzige, die wahre Liebe.
Den aus dem Vorspiel vertrauten, unerlösten, «seinen» Akkord, der Brangänes verzweifelt-schuldbeschwerte Warnungen grundiert («Des unseligen Tranks!»), womöglich hat er ihn heimlich im Nebenzimmer vernommen. Vielleicht auch die Erregung gespürt, die im Orchester schwillt, bevor er plötzlich aus der Deckung stürzt. Auf «stürmische Umarmungen» indes ist der Mann nicht vorbereitet. Geht erst mal Schampus holen, um sich Mut anzutrinken für die «hehrste, kühnste, schönste, seligste Lust». Ein flüchtiger Schwadroneur, der sich das Vokabular, den Tonfall der Ekstase überstreift wie sein Dinnerjacket. Ein aufgedrehter Charmeur, der wie ein ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann
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Es dauerte ziemlich lange, bis der Opernbetrieb das Attraktionspotenzial, fast möchte man sagen: den impliziten Eventcharakter der Grand opéra à la Meyerbeer neuerlich erkannte. Seit rund zwei Jahrzehnten aber scheint das Eis gebrochen und damit auch der lange Arm des Antisemiten und Meyerbeer-Hassers Richard Wagner. Von Einfluss war dabei wohl auch der dank des...
Es war das perfekte Geschenk zum 20. Geburtstag Ludwigs II. In einem elektrisch beleuchteten Kahn ließ sich der junge Flügeladjutant nachts bei Schloss Hohenschwangau über den Alpsee ziehen, im Schwanenritterkostüm den Lohengrin singend. Paul von Thurn und Taxis, Spross einer alten Regensburger Adelsfamilie und nur zwei Jahre älter als der junge König von Bayern,...
