Und der Haifisch hat Migräne
Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest. Tauschen ist, obwohl der Christ erkennbar wenig mit der hebräischen Schrift anfangen kann, erlaubt.
Im sophistischen Dialog der beiden Gottesvertreter schält sich schnell die Gewissheit heraus, dass es eine gute Idee wäre, an diesem verlassenen Ort mitten in der Wüste eine Paradiesstadt zu gründen. Und als sich dann noch die lebensschlaue Leokadja Begbick (Nadine Weissmann, sehr keck, im schicken Cocktailkleid und mit High Heels) dem gläubigen Gespann zugesellt, ist die Sache beschlossen. Die Suche nach dem großen Glück kann beginnen. Fragt sich nur, wie es aussieht, dieses Glück.
Brechts/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» ist ein schwieriges, ein sperriges Stück, seine Moral nach wenigen Minuten dechiffriert. Das weiß auch Barrie Kosky, also sucht er nach einem anderen, flexibleren, die Ambivalenzen und ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Richard Wagner selbst sah sie bekanntlich als Studien zur ultimativen Obsession seiner «Handlung» in drei Aufzügen. Und auch für Anja Harteros dürften die «Wesendonck-Lieder» ein Etappenziel gewesen sein – zur ersten Isolde, die sie im Sommer am Münchner Uraufführungsort riskierte (OW 8/2021). Weniger um Konditionelles ging es naturgemäß bei der CD-Einspielung der...
An den Ufern der Loire, nachts um halb eins. Als habe ihnen jemand etwas in den Tee getan, irren gallische Frauen und Männer, sämtlich blondbezopft (sind sie gar dem Comic «Asterix und Obelix» entwichen?), in wallenden grünen Gewändern durch den dunklen Zauberwald, hauen einander mit krummen Stöcken aus Holz nach Barbarenart in die Rippen. Es dauert eine Weile, bis...
Künstlerisch zunehmend erfolglos, aber trotzdem nach wie vor ein gefragter «Markenartikel», nahm der alternde Ruggero Leoncavallo das Angebot der Londoner Music Hall «Hippodrome» gerne an, dort eine halbstündige Kurzfassung seiner «Pagliacci» herauszubringen. Der Erfolg war überwältigend. Zweimal täglich wurde diese Version unter seiner Stabführung gespielt, aus...
