Und der Haifisch hat Migräne
Der Anfang ist witzig. Aus einem Bühnenloch klettern Fatty und Dreieinigkeitsmoses heraus auf die schwarz glänzende, leere Fläche, doch nicht als gewöhnliche Ganoven. Jens Larsen trägt den Talar eines salbadernden protestantischen Pfarrers, Ivan Turšić gibt, sehr pointiert, einen jüdischen Rabbi. In den Händen halten sie ihre Gebetsbücher, aber nicht allzu fest. Tauschen ist, obwohl der Christ erkennbar wenig mit der hebräischen Schrift anfangen kann, erlaubt.
Im sophistischen Dialog der beiden Gottesvertreter schält sich schnell die Gewissheit heraus, dass es eine gute Idee wäre, an diesem verlassenen Ort mitten in der Wüste eine Paradiesstadt zu gründen. Und als sich dann noch die lebensschlaue Leokadja Begbick (Nadine Weissmann, sehr keck, im schicken Cocktailkleid und mit High Heels) dem gläubigen Gespann zugesellt, ist die Sache beschlossen. Die Suche nach dem großen Glück kann beginnen. Fragt sich nur, wie es aussieht, dieses Glück.
Brechts/Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» ist ein schwieriges, ein sperriges Stück, seine Moral nach wenigen Minuten dechiffriert. Das weiß auch Barrie Kosky, also sucht er nach einem anderen, flexibleren, die Ambivalenzen und ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Jürgen Otten
Ihr Terminkalender ist wieder ganz schön voll: Bernhard Langs «Der Hetzer» in Dortmund, Carl Orffs «Carmina Burana», Philip Glass’ «Einstein on the Beach» – da kommt einiges an musikalischen und inhaltlichen Gegensätzen auf Sie zu. Wie halten Sie das aus?
Diese Spielzeit ist geprägt von so vielen unterschiedlichen Stücken, dass wirklich jeder Tag anders ist. Aber...
Nach ihrem 2018 erschienenen Album mit Liedern des Spätromantikers Hans Sommer sind Constance Heller und Gerold Huber erneut im Bereich Raritäten fündig geworden – Lieder jüdischer Komponisten aus dem Exil, die hierzulande weitgehend unbekannt blieben. Wie viele der nach 1933 vertriebenen Künstler sind sich Paul Ben-Haim (1897–1984), Paul Dessau, Kurt Weill und...
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch...
