Um die Ecke gedacht
Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht hatten. Von diesem Drama, so die Verfasser, habe Verdis Librettist Temistocle Solera frech abgeschrieben. Ricordi musste 1000 Francs Strafe zahlen.
An dieses historische Detail knüpft Dietrich Hilsdorf in Leipzig an: Er verlegt die Handlung in die Mitte des 19. Jahrhunderts, wählt den legendären Pariser «Boulevard du Crime» als Schauplatz, also jenen Ort, an dem sich im Bühnenbereich die Emanzipation des Bürgertums vollzog, und schafft eine Theater-auf-dem-Theater-Situation. Dieter Richters Bühnenbild zeigt eine nackte Backsteinmauer, durch den Vorhang erahnt man einen Rokokosaal mit Zuschauertribüne. Umwallt von reichlich Bühnennebel versammelt sich das Volk vor dem aus rohen Brettern gezimmerten Spielpodest. Nicht nur die lumpigen Kostüme von Renate Schmitzer erinnern an diesem Abend an Claude-Michel Schönbergs Les ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Frederik Hanssen
Ein «Traum» steht am Anfang. Eine Sopranstimme sucht Halt. Silben, Satzfetzen: «ha / be / dir / dir / ge- / sagt / du». Bruchstücke einer (erinnerten) Geschichte? Das Du will fort. Von ihr? Einer Frau namens Katja, die hier vielleicht einen Schlussstrich zieht? Erst dieses «fort» bleibt stehen, eine gefühlte Ewigkeit lang von Sarah Maria Sun gehalten, cantabile,...
Ach, diese Jugendsünden. 40 Orchester habe er früher einmal kurz hintereinander dirigiert. Es gab sogar eine Zeit, da habe ihn sein Management zum Rekord getrieben: 15 US-Klangkörper in einem Jahr. «Und ich habe gedacht, das alles ist gut.» Valery Gergiev, der Geläuterte? Von «Konzentration» spricht er mittlerweile, nur die garantiere «seriöse Ergebnisse». Der...
Jubilare
Er war der erste farbige Wotan an der New Yorker Met (1986) und der erste farbige Sänger bei den Bayreuther Festspielen: Von 1978 bis 1981 sang der US-Amerikaner Simon Estes hier den Fliegenden Holländer («ein mächtiger, sonorer Bassbariton, ein kluger und gewandter Darsteller», schrieb Opernwelt 1978). Vor allem Wotan galt als die Glanzrolle seines...
