Aufbruch vertagt
Ach, diese Jugendsünden. 40 Orchester habe er früher einmal kurz hintereinander dirigiert. Es gab sogar eine Zeit, da habe ihn sein Management zum Rekord getrieben: 15 US-Klangkörper in einem Jahr. «Und ich habe gedacht, das alles ist gut.» Valery Gergiev, der Geläuterte? Von «Konzentration» spricht er mittlerweile, nur die garantiere «seriöse Ergebnisse». Der selbsterklärte Fachwechsel zum Paulus hat auch einen konkreten Hintergrund. Mit Skepsis bis Häme ist seine Berufung zum Chef der Münchner Philharmoniker quittiert worden.
Ausgerechnet Gergiev, der das «Figaro hier, Figaro da» der Klassikszene hektisch vorlebt, der gern in letzter Sekunde (wenn überhaupt) zum Einsatz einschwebt, ausgerechnet diesen Umtriebigen genehmigt sich nun Bayerns Landeshauptstadt ab 2015 für vorerst fünf Jahre als Orchestererzieher.
Viele Vorsätze warfen die Philharmoniker dafür über Bord. Christian Thielemann wurde verübelt, dass er für seinen Beethoven-Zyklus mit den Wienern fremdging. Nun müssen die Münchner Gergiev gleich mit ein paar Bräuten teilen: Der Ossete bleibt Herr des St. Petersburger Mariinsky-Systems mit bald zwei Opernhäusern und einem Konzertsaal, zusätzlich leitet er eine Handvoll ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Markus Thiel
Vielleicht ließ Vincent Boussard, Regisseur von Händels Radamisto im Theater an der Wien, seine Seele im Sigmund-Freud-Museum in der Berggasse baumeln. Auf jeden Fall spielt seine Inszenierung mit dem Phänomen von Ich und Über-Ich sowie mit der Welt der Träume. Im kargen Bühnenraum von Vincent Lemaire schwänzeln unter anderem in allen Größen projizierte Zierfische...
«Wenn man das Ohr an den Bauzaun vom Berliner Flughafen hält, kann man leise
die Elbphilharmonie lachen hören.» – Der Spruch zwitschert munter durchs Internet und ist schon fast ein Bonmot. Weil man die Baustellen so schön austauschen kann: gegen Stuttgart 21. Gegen die Berliner Museumsinsel. Oder die Berliner Staatsoper, die wohl noch ein Weilchen im Schiller...
Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928, und Joachim Kaiser, der dies 1965 in seinem Kleinen Theatertagebuch zitierte, sprach in solchem Zusammenhang von einer déformation professionelle der Rezensenten. Doch tut es gelegentlich gut, der Neigung zum «Sehen-und-Gesehenwerden» zu widerstehen und sich auf den Rang zu...
