Überforderung als Auszeichnung
Eine Mutprobe, elf Jahre lang. Fangen wir mit dem größten, letzten Wagnis an: Luigi Nono am Gärtnerplatz. «Intolleranza» in einem Haus, das einst auch Staatsoperette hieß. Herzenswunsch eines Intendanten, der in der Saison 1996/97 von Aachen über Mannheim an Münchens Gärtnerplatz kam und hier seither die Ansprüche mit jedem neuen Stück hochschraubte. Klaus Schultz ist ein visionärer Kopf und pädagogischer Stratege bei freundlichsten Manieren, ein Mensch mit Neugier, Bildung, Überzeugung, ein Überredungskünstler außerdem.
Anders lässt sich sein Weg, diese dramaturgische, bei seltener Gelegenheit auch regieführende Karriere, kaum erklären.
Mehr als vierzig Chorproben für Nonos Szenische Aktion, die ja zuallererst ein Chorwerk ist, wollen schließlich erst mal disponiert werden in einem Betrieb, der es zuletzt auf 360 Veranstaltungen im Jahr brachte. Das Ergebnis gibt dem langfristigen künstlerischen Ehrgeiz Recht: «Intolleranza 1960», bislang die zehnte Aufführung in einem deutschen Opernhaus, wurde bei Kritik und Publikum zum schönsten, verdienten Erfolg. Traurig nur, dass er – wie so viele und vieles – mit dem Intendantenwechsel aus dem Programm des Staatstheaters am ...
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Ist der Mann verrückt? Nein, ist er nicht. Er hat nur einen ausgeprägten Hang zum Abseitigen. Zudem ist er Brite, somit ausgestattet mit einem sehr speziellen Humor; einem Humor übrigens, von dem man sich in deutschen Neue-Musik-Kreisen durchaus eine Scheibe abschneiden könnte. Mit anderen Worten: Sucht man in der europäischen Szene einen Komponisten, der gegen das...
Wo des Allmächtigen Einfluss beständig spürbar, wo der Mensch selbst samt seiner Ideale an diesen gekoppelt ist wie ein Schaf an seinen (guten?) Hirten, wo also gleichsam göttliches Licht gen Erden strahlt, damit es hell werde in den Seelen der Menschen – da wirkt ein mit winzigen Lichtschlitzen ausgestatteter Kirchenraum, der zugleich ein ausfluchtsloser Ort ist,...
Nikolaus Harnoncourt meinte einmal, wenn man sich die leidenschaftlichen Plastiken eines Bernini ansehe, könne man sich nicht vorstellen, dass die Musik jener Zeit weniger leidenschaftlich gewesen sei. In der Tat ist die Meinung, dass das artifizielle Element des Barockgesangs zugleich stimmfarbliche Anämie bedeute, historisch kaum belegbar. Freilich schien mit...
