Du Schaf Gottes

Weimar, Verdi: Luisa Miller

Opernwelt - Logo

Wo des Allmächtigen Einfluss beständig spürbar, wo der Mensch selbst samt ­seiner Ideale an diesen gekoppelt ist wie ein Schaf an seinen (guten?) Hirten, wo also gleichsam göttliches Licht gen Erden strahlt, damit es hell werde in den Seelen der Menschen – da wirkt ein mit winzigen Lichtschlitzen ausgestatteter Kirchenraum, der zugleich ein ausfluchtsloser Ort ist, für alle Personen der Oper, und seien sie noch so gottlose Geschöpfe, durchaus plausibel.

Bärbl Hohmann hat diesen Raum ersonnen und für Karsten Wiegands Inszenierung von Verdis «Luisa Miller» auf die Bühne des Nationaltheaters Weimar gewuchtet.
Ein Viereck aus hellem Holz. Die Kirchenbänke stehen in Reih und Glied davor, meist ungenutzt. Beinahe wie ein Bunker mutet dieses Geviert an, abseits der sich verändernden Welt, nicht von dieser einzunehmen. Allein, wer dies glaubt, der irrt gewaltig. Denn wie sich später, als alle Schlachten der Liebe erfolglos geschlagen sind, herausstellt, fußt die göttliche Burg nicht auf festem Boden, sondern gerät genau in dem Augenblick aus dem Gleichgewicht, in dem die falschen (physika­lischen) Kräfte walten. Oder Gottes Zorn. Oder beides. So ganz genau weiß man es nicht. Zu vage nämlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Überforderung als Auszeichnung

Eine Mutprobe, elf Jahre lang. Fangen wir mit dem größten, letzten Wagnis an: Luigi Nono am Gärtnerplatz. «Intolleranza» in einem Haus, das einst auch Staatsoperette hieß. Herzenswunsch ­eines Intendanten, der in der Saison 1996/97 von Aachen über Mannheim an Münchens Gärt­ner­platz kam und hier seither die Ansprüche mit jedem neuen Stück hochschraubte. Klaus...

Schwäbischer Wildwest

Eine merkwürdige, vielfach bestätigte Erfahrung: die Premiere einer Neuinszenierung, endend in einer Schlacht zwischen Buh und Bravo, von den Medien kontrovers kommentiert. Die zweite Vorstellung sodann ungestört, mit ein paar vereinzelten Buhrufen, die sich eher wie ein Accent aigu zur allgemeinen Zustimmung ausnehmen. So jetzt wieder bei der Neuproduktion von...

Donizetti: Lucia di Lammermoor

«Fang mich doch» am Staatstheater Mainz. Auf einer Stunde-Null-Bühne (Marc Weeger) spielen drei Kinder. Wer Donizettis «Lucia» oder Walter Scotts «Bride of Lammermoor» nicht kennt, kommt mit einem Blick ins kompakte Programmheft aus: Auf der Bühne wird die Vorgeschichte der «Lucia»-Oper umrissen. Der kleine Enrico Ashton und seine Schwester Lucia spielen mit...