Übereifer
Verdis «Don Carlo» verschiebt Schillers Perspektive, indem er die Innenansicht der Macht in den Vordergrund stellt. Diese bildet auch eines der Hauptthemen von Beverly Blankenships Regie, womit die Gestalt König Philipps II. in den Mittelpunkt rückt: ein Mächtiger, der ohnmächtig der Allgewalt der Kirche ausgeliefert ist.
Blankenship und ihre Bühnenbildnerin Heidrun Schmelzer haben in dunkelroten und schwarzen Farben das Bild eines in Furcht erstarrten, düsteren Spaniens entworfen.
Massige, hohe, verstellbare Quaderblöcke bestimmen in jeweils unterschiedlichen Formationen den Spielrahmen; das Kreuz als bedrückendes Symbol beherrscht die Sicht. Bevölkert wird die unheilschwangere Szenerie von Flagellanten, Mönchen in weißem Gewand, oft mit von Kapuzen verdeckten Gesichtern, vorwiegend aber von dunkel gekleideten Gestalten. Schwarz tragen sogar die verschleierten Hofdamen, die in der Gartenszene einer Trauergemeinde gleichen. Die Allgegenwart von Agenten der Inquisition schafft eine Atmosphäre ständiger Bedrohung. Unmissverständlich die nach wie vor aktuelle Anspielung auf ein autoritäres Staatsgebilde, in dem Willkür und Gewalt jedes persönliche Glück ersticken.
Blankenship erzählt ...
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Wohnt jedem Anfang ein Zauber inne? Mit der Wahl von Paul Hindemiths «Mathis der Maler» zum Auftakt ihrer ersten Saison an der Hamburgischen Staatsoper wollte Simone Young «ein Zeichen» setzen. Die Oper stelle die Frage «nach der Rolle des Künstlers in Politik und Gesellschaft» und danach, «welche Funktion die Kunst in einer Zeit ausübt, in der die Welt vor...
Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...
Edgar Allan Poe hat es auf den Punkt gebracht: «Was das Publikum in einer Zeitschrift sucht, ist das anderswo nirgends Beschaffbare.» Das gilt auch und gerade für den Inseratenteil von Zeitungen. Keiner hat sich darüber lustiger gemacht als Gioacchino Rossini in seinem Dramma per musica «La gazzetta», frei nach Goldonis Stück «Il matrimonio per concorso», mit dem...
