Mit Publikumsbeteiligung

Opernwelt - Logo

Demokratischer als zur Eröffnung der neuen Spielzeit am Teatro «G. B. Pergolesi» in Jesi in der Adria-Region Marken hätte es in einem Opernhaus nicht zu­gehen können. Wann bietet sich Pre­mierenbesuchern sonst die Möglichkeit, selbst darüber zu befinden, welche Ouvertüre den Auftakt zum Abend geben sollte? Kurz vor Beginn durften die Zuschauer das Stück ihrer Präferenz aus ­einer Vorschlagsliste bestimmen. Nachdem kostümierte junge Helfer die Voten rasch eingesammelt hatten, wurde das Auszählungsverfahren allerdings radikal vereinfacht: Man entschied per Los.

Das Philharmonische Orchester der Marken konnte so nach wenigen Minuten unter Attilio Cremonesis dynamischer Stabfüh­rung das Siegerstück anstimmen: Mozarts Vorspiel zum «Schauspieldirektor».
Dieses ungewohnte Vorgehen – einer von zahlreichen pfiffigen Regieeinfällen – knüpft an die Aufführungspraxis dieser musikalischen Komödie, einer Collage aus dem 18. Jahrhundert, an, die das Teatro «Pergolesi» jetzt nach mehr als zweihundert Jahren zum ersten Mal wieder vorstellte. Der Ablauf war damals nicht festgelegt, ließ sich bei jeder Aufführung vom Autor, den Mitwirkenden, den Veranstaltern und dem Pub­likum neu arrangieren. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2005
Rubrik: Magazin, Seite 26
von Gabor Halasz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Große Sänger - erfüllte Interpretationen

Renato Capecchi war sechsundzwanzig Jahre alt, als er in Aix-en-Provence unter Hans Rosbauds Leitung seinen ersten Don Giovanni sang. Jahrzehnte später erzählte er mir, dass er, der Italiener, erst von dem deutschen Maestro gelernt habe, wie man italienische Secco-Rezitative richtig gestaltet. Doch die theatralisch ungewöhnlich lebendigen (klavierbegleiteten)...

Die Operette lebt, weil sie unsterblich ist

Couplets in Operetten werden gern dazu benutzt, Staat und Politik eins auszuwischen. Diese werden dann als «Operette» herabgewürdigt und verspottet. In Österreich funktioniert das Spielchen am besten. Die Politiker nehmen‘s gelassen, schützt es sie doch davor, ernst genommen zu werden. Ist halt Operette. Die Bürger fühlen sich erleichtert, haben sie es denen doch...

Einsamer, verwirrter Ritter

Am Ende hat er alles verloren, der Ritter von der traurigen Gestalt: seine Bücher, die einen Abend lang die Bühne des Innsbrucker Landestheaters füllten, jetzt aber gen Himmel verschwinden; alle Menschen seines Lebens und damit die erträumten Figuren seiner Lektüre; schießlich sogar die Ärzte und Schwestern der psychiatrischen Klinik, als die sich seine...