Über die Schmerzgrenze hinaus
Aktueller kann Oper kaum sein: Vor gerade mal einem halben Jahr erschien die deutsche Übersetzung von Colum MacCanns «American Mother», und bereits Ende Mai kam die Uraufführung der gleichnamigen Oper im Hagener Theater heraus. Das Libretto schrieb der hochdekorierte, in Irland geborene und in New York lebende Buchautor selbst für die britische Komponistin Charlotte Bray, die zuvor vom scheidenden Hagener Intendanten gebeten wurde, anlässlich seiner Demission eine Oper zu schreiben.
So gehen kurze Wege im sonst so trägen Musiktheater – beinahe wie zu Mozarts bewegten Zeiten, als Beaumarchais’ für Furore sorgendes Theaterstück «La folle Journée ou Le Mariage de Figaro» fast in Windeseile von Lorenzo Da Ponte zum Libretto für die Oper «Le nozze di Figaro» verarbeitet wurde.
Nicht viele Intendanten gehen das Risiko ein, sich ausgerechnet mit einer schwer kalkulierbaren Uraufführung zu verabschieden. Für Francis Hüsers, der während seiner Intendanz so manches schier Unmögliche wahr machte, war das gemeinsam mit seinem ebenfalls scheidenden GMD Joseph Trafton von Anfang an gesetzt, erzählt er, spürbar erleichtert, nach der fulminanten Uraufführung: «Wir hatten immer schon geplant, dass ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 30
von Regine Müller
Am Ende gibt es keinen filigranen Pinselstrich mehr, da greift sie flugs zur breiten Borste. Mit fettem Schwarz übertüncht Senta ihr Gemälde, und parallel dazu färbt sich der heruntergelassene Gaze-Vorhang dunkel – auf dass nichts mehr zu sehen ist vom Holländer und der vierstöckigen Hochzeitstorte, vor der Matrosen und Gäste verröcheln, manche voller Blut; eine...
Mit Kalypso und Nausikaa beginnt die Literaturgeschichte des Strandes. Die faszinierende Grenzwelt der Elemente, wo Schönheit und Schrecken, das Endliche und Unendliche symbolträchtig aufeinanderstoßen, hat unvermeidlich auch die Oper inspiriert – stärker sogar als das Meer selbst. Ohne den Strand von Aulis wäre Glucks Iphigénie beinahe heimatlos, und wo sollte...
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