Radikal frugal

Gounod: Roméo et Juliette DRESDEN | SEMPEROPER

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Dieser Gounod legt die Axt an die Wurzel. «Uns interessierte vor allem die Leere», hieß es schon vor der Premiere, aber Bühnen- und Kostümbildner dürften doch andere Ambitionen gehabt haben als die Regisseurin. Es sei denn, sie arbeiten nicht gern. Viel zu tun gab es jedenfalls nicht für sie. Das Libretto sieht sechs Szenenwechsel vor – hier findet der Fünfakter in ein und derselben Kulisse statt: zwei Säulengänge in grauem Beton, die an Mussolinis römische Bauten erinnern und nicht an einen Palazzo in Verona.

Der erste Akt also ohne glänzend beleuchteten Festsaal, der zweite ohne den Pavillon im nächtlichen Garten, der dritte ohne Bruder Laurents Zelle, der vierte ohne Juliettes Kammer, der fünfte ohne das Grabmal der Capulets.

Verzichtbare Äußerlichkeiten vielleicht, schließlich ist manches davon in der Musik vernehmbar. Aber wozu dann überhaupt noch Bühne und Kostüme! Schicken wir doch die seit Jahrhunderten zur Operngattung gehörenden Gewerke in die Rente, geben wir doch die Einheit von Wort, Ton und Bild einfach preis! Dann erst würde sich uns das Wesentliche unverstellt erschließen, in diesem Falle die fatale, ausweglose Liebe zwischen Romeo und Julia. Glücklicherweise ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow

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