Wo aber sind die Genies?
Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi war der Erste. Unter seinem Künstlernamen Pietro Metastasio schrieb der italienische Dichter Hunderte von Libretti, die nicht nur den Grundstein für eine außergewöhnliche Kunstform legten, sondern zugleich ihren fortwährenden Ruhm begründeten; noch heute betören Metastasios Schöpfungen durch ihren Erfindungsreichtum, durch die ingeniöse Art und Weise, augenzwinkernd und nicht selten mit maliziösem Grinsen moralische Geschichten zu erzählen.
Zum Glück für die Opernwelt besaß der Urvater des Librettos einige Nachfolger, die ihren jeweiligen komponierenden Partnern auf dem gleichen Niveau unter die Arme griffen: Was wäre Mozart ohne Lorenzo da Ponte gewesen? Woher hätten Rossini, Donizetti, Bellini (und noch einige andere wie zum Beispiel Meyerbeer) die nötige Inspiration gefunden, wären sie nicht Felice Romani begegnet? Wie wäre Verdi ohne die dichterische Noblesse eines Francesco Maria Piave und später eines Arrigo Boito verfahren? Und welche Stoffe hätte Richard Strauss wohl ohne Hugo von Hofmannsthal, den Dichter der Empfindsamkeit und Verwandlung, in gleicher Weise vertonen können? Mochte das musikalische Genie noch so eklatant, so ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Medien, Seite 40
von Jan Verheyen
Zweifellos gibt es mehr vergessene als bekannte Meisterwerke, das ist keine Neuigkeit. Saison für Saison erleben wir auf Bühnen und Tonträgern erstaunliche Wiederentdeckungen, die einen begeistern, verwundern und gelegentlich auch konsternieren: Wie etwa konnte Antonio Smareglias «Nozze Istriane» unter unserem Radar durchrutschen? Eigentlich hätten die Antennen...
Dieser Gounod legt die Axt an die Wurzel. «Uns interessierte vor allem die Leere», hieß es schon vor der Premiere, aber Bühnen- und Kostümbildner dürften doch andere Ambitionen gehabt haben als die Regisseurin. Es sei denn, sie arbeiten nicht gern. Viel zu tun gab es jedenfalls nicht für sie. Das Libretto sieht sechs Szenenwechsel vor – hier findet der Fünfakter in...
Der Plan war beinahe genial: eine Opiumhöhle in San Franciscos Chinatown. Der zwielichtige Inhaber Cim-Fen will sich in der Stadt nach oben kämpfen, gerät auf die schiefe Bahn, entführt ein Kind, wird zum Mörder des Nebenbuhlers, muss alles mit dem Leben bezahlen, und mittendrin Jonas Kaufmann. So hatte man sich dies an der Bayerischen Staatsoper eigentlich gedacht...
