Über den Wolken
Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise, verzweifelt, fast mehr nach innen gerichtet als nach außen, mit ihrer zart-einflüsternden Stimme.
Monteverdis Lamento della Ninfa «Amor, amor» zählt zu den schmerzlich-schönsten Klageliedern aus der Feder des Komponisten, und wenn Regula Mühlemann es nun auf ihrem Album darbietet, dann weiß man wieder, warum das so ist. In beinahe jedem Ton hört man, dass die Sopranistin vom Barock kommt, dass sie ihre Stimme dort geschult hat, und vor allem: ihre Art zu deklamieren, den Text auszudeuten, die musikalischen Verläufe dynamisch auszutarieren. Nichts in diesem Gesang ist outriert, ausgestellt, sondern stets den Affekten der Musik abgelauscht, ihrem semantischen Unterbau. Die Insistenz, sie liegt in der Musik selbst, nicht in ihrer Darstellung.
Erneut hat Regula Mühlemann (wie schon bei den vorbildlich konzipierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 23
von Jürgen Otten
Unter der Leitung von Francesco Micheli hat sich das Donizetti Opera Festival zu einem der interessantesten Opernfestspiele Italiens entwickelt. Gerade programmatisch fällt dem Intendanten jedes Jahr etwas Neues ein. Diesmal waren es – neben dem Schlager «La favorite» zur Eröffnung – mit «Chiara e Serafina» und «L’aio nell’imbarazzo» zwei Werke des Namensgebers,...
Oper muss endgültig aus dem Elfenbeinturm herabsteigen, sie muss Relevanz beweisen und für alle erfahrbar werden: Seitdem die Post-Corona-Leere die Theater im Griff hat, sind diese Forderungen noch häufiger zu hören als zuvor. Müssen wir also Musiktheater neu denken, damit es überlebt? Christina Gutiérrez Malmborm hat sich 2013 gesagt, sie wolle jetzt in der...
Die Opernstadt Nancy macht von sich Reden, seit Intendant Matthieu Dussouillez dort etwas wagt. Gleich bei seinem Antritt 2019 hat er eine directrice musicale inthronisiert: Marta Gardolińska. Das Programm ist charmant, kalkulierte Wagnisse, wie etwa Paderewskis «Manru», inbegriffen. In Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» zum Saisonauftakt debütiert Marie...
