Über den Wolken

CD des Monats: Regula Mühlemann singt fast metaphysisch schön Lamenti und Arien von Monteverdi bis Grieg

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Arme Nymphe. Allein ist sie, verraten und vielleicht sogar «verkauft». Derjenige, dem sie ihre reine Liebe schenkte, hat sie schmählich im Stich gelassen. Und trotzdem hofft die Gute, der Liebste möge zurückkehren. Also singt sie das anmutigste Lied, das ihr auf der Zunge, in der Kehle liegt, singt es mit dem allergrößten Sehnen, voller Inbrunst, dabei aber leise, verzweifelt, fast mehr nach innen gerichtet als nach außen, mit ihrer zart-einflüsternden Stimme.

Monteverdis Lamento della Ninfa «Amor, amor» zählt zu den schmerzlich-schönsten Klageliedern aus der Feder des Komponisten, und wenn Regula Mühlemann es nun auf ihrem Album darbietet, dann weiß man wieder, warum das so ist. In beinahe jedem Ton hört man, dass die Sopranistin vom Barock kommt, dass sie ihre Stimme dort geschult hat, und vor allem: ihre Art zu deklamieren, den Text auszudeuten, die musikalischen Verläufe dynamisch auszutarieren. Nichts in diesem Gesang ist outriert, ausgestellt, sondern stets den Affekten der Musik abgelauscht, ihrem semantischen Unterbau. Die Insistenz, sie liegt in der Musik selbst, nicht in ihrer Darstellung. 

Erneut hat Regula Mühlemann (wie schon bei den vorbildlich konzipierten ...

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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 23
von Jürgen Otten

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