Momente des Vergnügens
Unter der Leitung von Francesco Micheli hat sich das Donizetti Opera Festival zu einem der interessantesten Opernfestspiele Italiens entwickelt. Gerade programmatisch fällt dem Intendanten jedes Jahr etwas Neues ein. Diesmal waren es – neben dem Schlager «La favorite» zur Eröffnung – mit «Chiara e Serafina» und «L’aio nell’imbarazzo» zwei Werke des Namensgebers, die wohl nur Eingeweihten bekannt sein dürften. Doch dazu später.
Das Libretto von «La favorite» erzählt eine ziemlich düstere Geschichte – in Kürze: Der junge Fernand hat sein Noviziat aus Liebe zu Léonor, der Mätresse des spanischen Herrschers Alphonse XI., beendet. Der König bietet sie Fernand zum Schein als «Belohnung» für den Fall an, dass dieser in einem Feldzug die feindlichen Mauren besiegt. Nachdem Fernand im Triumph zurückgekehrt ist, jedoch erfahren hat, wer Léonor wirklich ist, verzichtet er auf sie und flieht ins Kloster. Gerade als er sein Gelübde ablegen will, taucht die Angebetete auf, um ihn um Vergebung zu bitten, und stirbt in seinen Armen.
In Bergamo wurde die französische Originalversion von «La favorite» aufgeführt, mit einem von Claudio Fenoglio gut vorbereiteten Chor und unter der energischen ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Guy Cherqui
JUBILARE
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In der Bühnenmitte steht eine Art Auge, Linse oder Fokus, darin dreht sich zuweilen Fortunas Rad, meistens aber öffnet sich eine Aussicht, auf das Meer zum Beispiel. Von rechts und links ragen Kulissen hinein wie im Barocktheater, aber sie sind schon ein bisschen beschädigt und ruiniert – als hätte man sie irgendwo gefunden und würde sie jetzt wiederverwenden.
Das...
Die christliche Historiografie ist voll von Märtyrergeschichten, von Geschichten, in denen Menschen im Glauben daran, Gott oder göttliche Gnade möge ihnen Erlösung gewähren, den Tod wählen. Eine von ihnen ist, laut einer Heiligenlegende, die Patrizierin Theodora, die Ende des 3. Jahrhunderts in Antiochia, dem heutigen (in der Türkei gelegenen) Antakya, unter...
