Über den Wolken

Christophe Rousset sucht in Lullys «Thésée» nach Glanzlichtern

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Der Auftrag kam von höchster Stelle. Kein Geringerer als Louis XIV persönlich wünschte sich von seinem surintendant de la musique du Roy für die Karnevalsfeierlichkeiten des Jahres 1675, zu denen er europäische Politprominenz an den Königshof im Schloss Saint-Germain-en-Laye einzuladen gedachte, ein dem Anlass würdiges Bühnenwerk. Und Jean-Baptiste Lully, wissend, dass man sich dem herrschaftlichen Willen selbstredend zu beugen hatte (dafür aber mit üppiger finanzieller Unterstützung sowie höchstem Lob rechnen konnte), zögerte keine Sekunde lang.

Er besprach sich mit seinem angestammten Librettisten Philippe Quinault und zauberte wenig später die Tragédie en musique «Thésée» aus dem Komponistenhut, das dritte Werk dieser vom Sonnenkönig geliebten, ja fast vergötterten Gattung nach «Cadmus et Hermione» und «Alceste».

Erzählt wird darin eine verzwickte Liebesgeschichte, die im Prolog zunächst auf die aktuelle politische Situation rekurriert (seit 1672 ist Frankreich in den Holländischen Krieg verstrickt) und in den folgenden fünf Akten Anleihen beim Theseus-Mythos nimmt, diesen aber nach zeitgenössischem Gusto modelliert und sich überdies von Ovids «Metamorphosen» sowie der ...

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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 24
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