Kulturverdächtig
Zwei Fragen: Darf man das? Und die weit entscheidendere: Geht es auf? Ein paar Operationen en miniature sind dafür notwendig, die Eliminierung weiblicher Wortformen, vor allem die einer ganzen Figur. Arturo, Pflichtgatte von Lucia di Lammermoor und ohnehin kaum mehr als tenoraler Stichwortgeber, heißt jetzt Emilia und wird gesungen von der Mezzosopranistin Sara Šetar. Die Hauptperson bleibt, wurde jedoch verwandelt. Tragischer Held am Staatstheater Nürnberg ist nun Luca, ein homosexueller Twen, den Familie und Freunde zur Hetero-Hochzeit zwingen wollen.
Doch der hängt lieber mit queeren Freunden im Jugendzimmer ab und leistet sich mit Edgardo einen gleichaltrigen Lover.
Regisseurin Ilaria Lanzino hat Donizettis Oper, das ist das kleine große Wunder dieser Produktion, auf links gekrempelt, aber in keinem Takt verraten. Die Kraftfelder und Konstellationen zwischen verbotener Liebe und borniertem Umfeld, zwischen Neigung und Pflicht bleiben nicht nur vollumfänglich erhalten: Es ist verblüffend und schlüssig, wie hier, fernab von jeder billigen Christopher-Street-Day-Kopie oder bemühter Gender-Debatten, der Belcanto ins Heute geholt wird. Schon in der Entstehungszeit begriff man ja ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
JUBILARE
Elena Moșuc, im rumänischen Iași geboren, studierte in ihrer Heimatstadt an der Hochschule für Kunst und Gesang sowie am Konservatorium «George Enescu» und debütierte bereits während dieser Zeit als Königin der Nacht in Mozarts «Zauberflöte» am dortigen Opernhaus. Ferner sang sie an gleicher Stelle die Titelpartie in Donizettis «Lucia di Lammermoor» (Moșuc...
Sie waren sieben. Nein: acht. Einer überlebte. Der Vater. Alle anderen wurden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Mehr als zwei Jahre lang hatten sie im Hinterhaus der Amsterdamer Prinsengracht 263 in einem Versteck gehaust, eingesperrt zwischen Hoffen und Bangen, unter Umständen, die man mit dem Wort komfortabel wohl kaum beschreiben mag, aufeinander...
Der gestürzte und wiedererhöhte Nebucadnezar, König zu Babylon, unter dem großen Propheten Daniel» – so lautet der originale Titel von Reinhard Keisers Oper aus dem Jahr 1704, mit der das Theater Heidelberg nun sein winterliches Barockfest im Schwetzinger Rokokotheater eröffnete. Wer ein religionspolitisches Lehrstück befürchtete, sah sich angenehm enttäuscht. Zwar...
