Über den Dächern von ­Paris

Hindemiths «Cardillac» aus der ­Bastille-Oper in spielfilmgerechter Optik

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An couleur locale wird in diesem «Cardillac» nicht gespart: Kaum eine Gelegenheit lässt die Produktion der Bastille-Oper aus, um daran zu erinnern, dass Paul Hindemiths 1926 uraufgeführte Krimi-Oper nach Hoffmanns «Fräulein von Scuderi» in Paris spielt. Immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf den Eiffelturm, und die Ergreifung des mörderischen Goldschmieds im dritten Akt lässt Regisseur André Engel malerisch über den Dächern der Seine-Metropole spielen.

Um den Parisern Hindemiths zackigen Zwanziger-Jahre-Neobarock schmackhaft zu machen, setzt die Inszenierung ganz auf atmo­sphärische Oberflächenreize: Die Verlegung der Geschichte aus der Epoche Ludwigs XIV. in die Entstehungszeit des Werks dient hier hauptsächlich dazu, bühnenfüllende Art-Déco-Interieurs zu präsentieren und einen geschmackvollen Rahmen für den geradlinig erzählten Kriminalfall zu schaffen – an einer expressionistischen Übersteigerung der Szenerie im Sinne eines Otto Dix oder George Grosz, die die realitätsverzerrenden Qualitäten der Musik fokussiert hätte, war man offenbar nicht interessiert. Doch dieser «Cardillac» funktioniert von einigen marginalen Ungereimtheiten einmal abgesehen (woher kommen im Morgengrauen ...

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Opernwelt Juli 2007
Rubrik: DVDs, Seite 57
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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