Nicht nach Goethe
«Dieser Faust ist Gemeingut der Menschheit» – das sagte Nikolaus Lenau (1802-1850), um sich gegen das scheinbare «Faust»-Monopol Goethes zu wenden. So verfasste Lenau 1835 seinen eigenen «Faust», zwar in Knittelversen, aber in Handlungsverlauf und Sicht auf die Faust-Figur entscheidend von Goethe abweichend. Lenaus Faust trägt nihilistische Züge, sein Weltbild zeigt nach vorn, die Moderne und ein Selbstmord des Protagonisten scheinen im Hintergrund auf.
Die Struktur des Werkes wechselt häufig zwischen szenischen und erzählenden Passagen, letztlich entstand so kein Theaterstück im tradierten Sinn, eher wäre Lenaus «Faust» als Lesedrama zu klassifizieren. Immerhin dauerte es hundertzwanzig Jahre, bis das Werk auf einer Bühne erschien: im Torturm-Theater in Sommerhausen 1954 als großes Solo des damaligen Prinzipals Luigi Malipiero. Das war ziemlich eindrucksvoll.
Jetzt also eine «Faust»-Oper nach Lenau. Philippe Fénelon (bisher drei Opern: «Salammbó», «Le Chevalier Imaginaire», «Les Rois») ist kein Chauvinist: Er lässt sein Werk in der deutschen Originalsprache singen. Aus den vierundzwanzig Abschnitten der Stückvorlage filtert er sein Libretto mit sieben Szenen, Prolog und Epilog ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Flimm, als Ihr Freund Gerhard Schröder im Herbst 1998 Helmut Kohl als Bundeskanzler ablöste, verkündete er, er wolle nicht alles anders machen, aber vieles besser. Im Oktober vergangenen Jahres haben Sie die Intendanz der Salzburger Festspiele von Peter Ruzicka übernommen. Was muss sich ändern, was wollen Sie besser machen?
Ich würde nie sagen, dass ich etwas...
Dass die Ansprüche des heutigen Publikums an die Oper als Kunstform höchst divergent zwischen Belcanto-Kulinarik und theatraler Wahrhaftigkeit changieren, ist bekannt. Bei Aufführungen von Barockopern allerdings ist diese Divergenz noch stärker ausgeprägt. Freunde des Regietheaters erwarten von Händel- oder Monteverdi-Vorstellungen ein Feuerwerk origineller...
In den letzten Jahren waren die Salzburger Pfingstfestpiele eher gediegen: Konzeptionell reichlich verwaschen, boten sie mittleren bis guten Ensembles eine Durchgangsstation fürs jeweils aktuelle Programm.
Der neue Salzburger Intendant Jürgen Flimm und sein Konzertchef Markus Hinterhäuser wollen dies nun ändern und zogen den italienischen Stardirigenten Riccardo...
