Turquerie à la francaise

Mozart auf Französisch: die «Entführung» aus Versailles

Opernwelt - Logo

Es war kein Ort zum Träumen, eher einer der gefesselten Phantasie: Stickig und klaustrophobisch dürfte es im Haremsbereich der osmanischen Paläste hergegangen sein. Selbst in jenem des Topkapı Sarayı zu Istanbul, obwohl er, vermeintlich großzügig, über 400 Zimmer umfasste. Zwar suggerieren hohe Decken und die elegant mit bunten Kacheln verzierten Wände, dass des Sultans Gespielinnen dort komfortabel lebten. Doch galt dies bloß für die enge Verwandtschaft des Herrschers.

Nicht für die angeblich bis zu zweitausend Konkubinen, die dort zur Erbauung des Herrschers ihr Leben fristeten. Entweder als Ikballar – jene, die von einem lendenmächtigen Sultan bereits zu Bett gebeten wurden. Oder als Gözdeller, denen diese Zuwendung noch nicht zuteilgeworden war; sie waren die Einzigen, die unter bestimmten Umständen in die Freiheit entlassen wurden…

Antoine Fontaine, Bühnenbildner der vorliegenden Produktion von Mozarts «Entführung» (als «L’Enlèvement du sérail» auf CD und DVD erschienen), möchte diese Enge des goldenen Käfigs als Gegensatz zur Weite der den Palast umgebenden Landschaft zeigen. Der kulturellen Konfrontation zwischen Ost und West entsprechend sucht er nach einer Verbindung der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Medien, Seite 38
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Social-Mediadrama

Es gibt viele Zugänge und Interpretationsmöglichkeiten zu Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray», und die nun in Poznań uraufgeführte Oper der 82-jährigen polnischen Komponistin Elżbieta Sikora auf ein Libretto des Regisseurs David Pountney ist auch nicht die einzige Dorian-Gray-Oper, ganz zu schweigen von den vielen Balletten, Theaterfassungen, Filmen...

Was die Maus erzählt

Auf Deutsch heißt Boris Vians Roman jetzt «Die Gischt der Tage», nicht mehr «Schaum». Dafür mag es Gründe geben. Auf der Rückseite der Neuübersetzung liest man das Statement «Vian altert nicht». Das ist eine Setzung für den 1947 zunächst ohne größere Resonanz erschie -nenen Roman, der dann in den wilden späten 1960er- und 1970er-Jahren zum «Kultbuch» avancierte....

Editorial Opernwelt 1/26

Diese redaktionelle Eingebung ist Legende: «Prima, eine Donna am Pult», lautete 2002 die Überschrift zu einem Porträt der US-amerikanischen Dirigentin Marin Alsop in der «Süddeutschen Zeitung». Alsop war in jenem Jahr zur Chefdirigentin des Bournemouth Symphony Orchestra ernannt worden und damit eine der ersten (von wenigen) Frauen in führender Position. Seither...