Social-Mediadrama
Es gibt viele Zugänge und Interpretationsmöglichkeiten zu Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray», und die nun in Poznań uraufgeführte Oper der 82-jährigen polnischen Komponistin Elżbieta Sikora auf ein Libretto des Regisseurs David Pountney ist auch nicht die einzige Dorian-Gray-Oper, ganz zu schweigen von den vielen Balletten, Theaterfassungen, Filmen und Musicals.
Pountney hat ein Stück in englischer Sprache über den Fluch von Social Media gemacht.
Der mephistophelische Lord Henry, bei Wilde eine zentrale Figur, fehlt in der Oper ganz, ebenso die wichtige Anspielung auf den Narziss-Mythos des nicht alternden Titelhelden. Vielmehr ist dieser ein Opfer von Basil, der hier nicht Maler, sondern Photograph ist, unerlaubterweise Bilder von Dorian ins Netz stellt und damit einen viralen Hype von zunächst ungezügelter Bewunderung entfacht. Später wird daraus ein Shitstorm. Dieser Dorian Gray ist in der Oper, anders als bei Oscar Wilde, keiner, der von faustischer Hybris ergriffen ist, sondern ein Mensch mit Empathie, den Basils Skrupellosigkeit, als er die Leichen eines Drohnenangriffs in einem zur Sozialstation umgebauten Kino filmt («Beauty is everywhere»), so bestürzt, dass ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Richard Lorber
Seine beiden bedeutendsten, für Wien entstandenen italienischen Reformopern «Orfeo ed Euridice» (1762) und «Alceste» (1769) hat Gluck 1774 respektive 1776 für Paris revidiert. Während die französische «Alceste» die Urfassung gänzlich von der Bühne verdrängte, führt umgekehrt der «Orphée» nur ein Schattendasein in der Aufführungsgeschichte dieses Werks. Obwohl Gluck...
Ich lehne Partien ab, die viel Schreien verlangen.» Ein Credo. Renato Bruson sang sie dann trotzdem, aber eben auf seine Art. Er hat all die Schurken, Sonderlinge und zwielichtigen Kerle zu sich herangeholt und ihnen andere, manchmal neue Facetten eröffnet. Auf dem Zenit seiner Karriere bildete der Italiener den Gegenentwurf zum sieben Jahre älteren Landsmann Piero...
Diese Sippe hat keine Leiche im Keller, sondern in der Kanalisation. Kurz nach dem Beginn wird sie versenkt und damit signalisiert: Die feine «Gesellschaft zum Schutz der Ratten», wie sie sich in dieser Oper nennt, mag sich vegetarisch geben, nimmt aber den ein oder anderen Mord für ihre Zwecke in Kauf – auch wenn das gar nicht im Libretto steht. Menschliche...
