Social-Mediadrama
Es gibt viele Zugänge und Interpretationsmöglichkeiten zu Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray», und die nun in Poznań uraufgeführte Oper der 82-jährigen polnischen Komponistin Elżbieta Sikora auf ein Libretto des Regisseurs David Pountney ist auch nicht die einzige Dorian-Gray-Oper, ganz zu schweigen von den vielen Balletten, Theaterfassungen, Filmen und Musicals.
Pountney hat ein Stück in englischer Sprache über den Fluch von Social Media gemacht.
Der mephistophelische Lord Henry, bei Wilde eine zentrale Figur, fehlt in der Oper ganz, ebenso die wichtige Anspielung auf den Narziss-Mythos des nicht alternden Titelhelden. Vielmehr ist dieser ein Opfer von Basil, der hier nicht Maler, sondern Photograph ist, unerlaubterweise Bilder von Dorian ins Netz stellt und damit einen viralen Hype von zunächst ungezügelter Bewunderung entfacht. Später wird daraus ein Shitstorm. Dieser Dorian Gray ist in der Oper, anders als bei Oscar Wilde, keiner, der von faustischer Hybris ergriffen ist, sondern ein Mensch mit Empathie, den Basils Skrupellosigkeit, als er die Leichen eines Drohnenangriffs in einem zur Sozialstation umgebauten Kino filmt («Beauty is everywhere»), so bestürzt, dass ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Richard Lorber
Anderthalb Jahre zuvor war Marco Štorman noch kurz vor der Premiere aus Freiburg abgereist: «Game on: Zauberflöte», Mozart als Wünsch-dir-was-Oper, wurde zu einem künstlerischen Desaster. Eine Wiedergutmachung also war der Regisseur dem Theater, dem Publikum und wohl auch sich selbst schuldig. Mit John Adams’ Oppenheimer-Oper «Doctor Atomic» begibt sich der...
Blutjung
Ein genialer Kopf, dem nur wenig Lebenszeit vergönnt war: der Dirigent und Komponist Peter Ronnefeld. 1965 starb er mit 30 Jahren, gerade Generalmusikdirektor in Kiel, ein Mann für kommende, große Aufgaben. Die Oper Bonn, wo er 1961 Chefdirigent wurde, macht sich nun um den vom Vergessen bedrohten Künstler verdient und setzt sein Bühnenwerk «Die Ameise»...
Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...
