Tschaikowsky: Pique Dame

Neapel

Opernwelt - Logo

Rechts die in Schieflage geratene Flanke eines italienischen Logentheaters, aus dem heraus Surin, Tomski und Tscheka­linski Hermann wie ein Versuchskaninchen fixieren und in dem diesem seine wahnhaften Visionen erscheinen. Links ein luxuriöses Rokoko-Boudoir aus Plexiglas, das nach Eis aussieht und Auskunft gibt über den Zustand seiner Gefühle.

Francesca Zambellos nach Neapel transferierte Londoner Inszenierung von Tschaikowskys ungekürzter «Pique Dame» (siehe OW 7/2001) setzt deut­liche Bildzeichen, bleibt aber beim Kos­tüm stehen: Das horrible Innere der ­manisch von Süchten, Ängsten und Beschwichtigungsversuchen getriebenen Figuren wird in keiner Sekunde transparent. Das Ereignis des Abends spielt sich auf der Hörbühne ab: Der grundsätzlich geneigte Bühnenboden italienischer Theater projiziert die Stimmen direkt ans Ohr des Hörers und erlaubt den Sängern den reich differenzierten Lied- und Kammerton geflüsterter Geständnisse und intimer Konversation, den man sonst bei der – übrigens in Florenz komponierten – «Pique Dame» nicht gerade gewohnt ist. Dem innig leuchtenden Sopran Olga Guriakowas gelang das Kunststück, eine introvertierte Lisa zum stillen Ereignis zu machen, und der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 49
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Erkannte Wahrheit

Im Gegensatz zu «Pelléas et Mélisande», dessen Lib­retto eine von Debussy gekürzte Version von Maeterlincks Schauspiel darstellt, hat Maeterlinck «Ariane et Barbe-Bleue» als «Conte en trois actes» von vornherein als Opernlibretto konzipiert (und an Grieg als Kompo­nis­ten gedacht). Beide Stücke ähneln einander mit ihrem Parlando der Singstimmen, das aus Rhythmus...

Schmackhafte Pastetchen

Nino Rota (1911-1979) war ­einer der fruchtbarsten und erfolgreichsten Filmkomponis­ten seiner Zeit. Seine Musik für zahlreiche Filme von Fellini, Visconti, Zeffirelli, Clement sowie für Coppolas «Der Pate» kann gro­ßenteils auch außerhalb der Leinwand bestehen. Doch daneben hat der Schüler von Pizzetti und Casella auch etliche Sympho­nien, Konzerte und Opern...

Strauss: Arabella

Die Chemnitzer Oper schreckt die Nähe zur Strauss-Hochburg Dresden offenbar nicht wirklich. Nach der Wagner-Herausforderung riskiert man auch die mit Richard Strauss. Dass «Arabella» alles andere als eine angekitschte Katastrophe wurde, liegt vor allem an der Robert Schumann Philharmonie. Deren Chef Niksa Bareza weiß klug zu dosieren, versteht sich aufs...