Zweisprachig

Rostock, Tschaikowsky: Pique Dame

Opernwelt - Logo

Süß, diese Schäfchen. Wirklich entzückend, wie sie da, inmitten der glanzvoll kostümierten und choreografierten Singspiel-Schar, auf ihren blauen Rollen unschuldig weiß übers Parkett gerollt werden und dabei ganz zärtlich und dumm ausschauen – was wiederum zu der an diesem vornehmen Orte erzählten, tränenrührenden Geschichte wunderbar passt: Denn was wäre ein pastorales Intermezzo, gegeben zum Gefallen der höfischen Gesellschaft und trefflich geschmückt mit dem zauberhaften Titel «Die ehrliche Schäferin», ohne diese nied­lichen Tierchen? Nichts wäre sie.

Deshalb: Man mag zum Kitsch in der Kunst stehen, wie man will. Für das dritte Bild von Tschaikowskys Oper «Pique Dame», in dem eine Parabel das gleich mehrere Exis­tenzen vernichtende Drama für eine Viertelstunde auf lichte Ebene hievt, dient der Kitsch als dramaturgische Triebfeder, dient er gleichsam als Antiphon zu dem, was auf der Bühne verhandelt wird. Die Realität lauert dahinter. Und die sieht nicht eben rosig aus für die Protagonis­ten.
Nicht eben rosig, das ist auch die Situation des Volkstheaters Rostock. Wie andernorts auch, wird hoch droben im Norden gespart. Nur wird es gleich in einer Art und Weise getan, dass man in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2005
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zeitreise in die sardischee Antike

Wie sich die Zeiten geändert haben! Heutzutage geben viel versprechende junge Komponisten das Notenschreiben auf. Und werden Dirigenten, wie Giuseppe Sinopoli. Vor hundert Jahren ging das rumänische Geigenwunderkind ­George Enescu den umgekehrten Weg. 1893, mit zwölf, macht er in Wien sein Diplom und beginnt dann in Paris auch Komposition zu studieren, zuerst bei...

Strauss: Arabella

Die Chemnitzer Oper schreckt die Nähe zur Strauss-Hochburg Dresden offenbar nicht wirklich. Nach der Wagner-Herausforderung riskiert man auch die mit Richard Strauss. Dass «Arabella» alles andere als eine angekitschte Katastrophe wurde, liegt vor allem an der Robert Schumann Philharmonie. Deren Chef Niksa Bareza weiß klug zu dosieren, versteht sich aufs...

Zweibahnstraße

Man muss es nicht so drastisch formulieren wie Gerard Mortier. Der Intendant in Brüssel, Salzburg und jetzt in Paris sah sich und seine Kollegen als Täter: «Jahrelang haben wir so genannten Opernintendanten wie die Vampire frisches Lebensblut gesogen aus der Film- und Schauspielregie.» Nicht immer brachten diese Blutübertragungen den erhofften (Über-)Lebenssaft,...