Trost im Todestrakt
Mit über 50 Produktionen seit seiner Uraufführung im Jahr 2000 an der San Francisco Opera arbeitet sich Jake Heggies Erstlingswerk für das Musiktheater zielstrebig ins Repertoire vor. Am Staatstheater Braunschweig setzt sich diese Erfolgsgeschichte von «Dead Man Walking» nun fort. Die Oper fußt auf den Erinnerungen der katholischen Ordensschwester Helen Prejean, die als Seelsorgerin Delinquenten bis zu deren durch die Justiz angeordnete Tötung Beistand leistete. Zuvor hatte Prejeans Buch bereits einen packenden Hollywoodstreifen in der Tradition des Gerichtssaal-Dramas inspiriert.
Heggie und sein Librettist, der im März 2020 an Covid-19 verstorbene Terrence McNally, zeigen hingegen den persönlichen Weg, den die Nonne und der zum Tode verurteilte Joseph De Rocher miteinander beschreiten. Daran, dass der Mann ein Mörder ist (er hat eine halbwüchsige Schülerin brutal vergewaltigt und erstochen), lässt der Prolog der Oper nicht den geringsten Zweifel.
Regisseurin Florentine Klepper schildert die bestialische Tat eher verhalten und situiert sie in der Tiefe der Bühne. Dennoch wird deutlich, dass eben nicht das pragmatische Argument möglicher Fehlurteile gegen die Todesstrafe spricht. ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Michael Kaminski
Eine etwa 3 x 3 Meter große Gefängniszelle. Ein sprödes Klappbett. An die Wand gekettet. Dicke Gitterstäbe zwischen den beiden Menschen. Diese beiden Menschen: Das können in Béla Bartóks 1911 komponierter, 1918 in Budapest uraufgeführter Oper «Herzog Blaubarts Burg» nur der Herzog selbst und seine ihm zugetane Judith sein. Denn mehr Bühnenpersonal gibt es hier...
Die biografischen Booklet-Notizen zu dem 1973 geborenen französischen Komponisten Julien Joubert auf der CD «Ariettes oubliées» lesen sich so, als sei hier ein Jahrhundertgenie anzupreisen, von dem der Neue-Musik-kundige Autor dieser Zeilen allerdings noch nie etwas gehört hatte. Nun denn, en garde! Jedes Gattungsfeld hätte Joubert schon einmal bestellt, so heißt...
Die Einschätzung war triftig: Als «Apokalypse im Familienmaßstab» bezeichnete Hanns Eisler den 1930 an der Oper Frankfurt uraufgeführten Einakter «Von heute auf morgen». Arnold Schönbergs Beitrag zum seinerzeit avancierten Zeitoperngenre, der in drastischen Farben die Ehekrise eines einander entfremdeten Paares schildert, bildete nun am gleichen Ort die Exposition...
