Ensemblekultur

Offenbach: Hoffmanns Erzählungen
MÜNCHEN | GÄRTNERPLATZTHEATER

Opernwelt - Logo

Faszinierend, wie produktiv ein Mensch als Schriftsteller und Komponist in einem hauptsächlich als Jurist verbrachten Leben sein kann. Zerknüllte Manuskriptseiten füllen am Münchner Gärtnerplatztheater bühnenhoch die Wände, die Sockel der über die Bühne verteilten Vitrinen  verzeichnen nur einige der Werktitel E.T.A. Hoffmanns. Darunter die, die in die Oper über sein Leben eingeflossen sind: «Hoffmanns Erzählungen» von Jacques Offenbach.

Das kleinere der beiden Münchner Opernhäuser spielt, die eigene ältere Tradition aufgreifend, «Les contes d'Hoffmann» auf Deutsch; französisch erklingt, eine hübsche Idee, nur, was intertextuell als Gesang ausgewiesen ist. Wie die Puppennummer Olympias, die Ilia Staple brillant intonationsrein und überhaupt nicht piepsig abliefert. Jennifer O'Loughlin gestaltet Antonias Schicksal expressiv, wenngleich ihr Sopran, etwas zu glockig, den Wärmestrom schuldig bleibt. Die deutlich dunkler timbrierte Camille Schnoor schließlich verleiht Giulietta feurige Dominanz.  

Die drei Sopranistinnen sind fest am Haus engagiert. Dass das Gärtnerplatztheater alle Rollen gleich zweimal aus den eigenen Reihen besetzen kann, lässt diesen «Hoffmann» zu einer echten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Mäuse im Großraumbüro

Gleich zwei Ansagen muss Intendant Alain Perroux vor Beginn des Premierenabends machen: erstens, dass anstelle des positiv auf das Coronavirus getesteten Chefs der Strasbourger Philharmoniker Aziz Shokhakimov seine Assistentin Sora Elisabeth Lee die Premiere dirigieren werde. Und zweitens, dass aufgrund einiger positiv getesteter Orchestermitglieder nun fünf...

Vom Hellen ins Dunkle

Wer die Schönheit sucht, wird in den Filmen dieses Künstlers nur fündig, wenn er sich auf eine lange Reise begibt, vom Licht ins Dunkel. Filme von Michael Haneke sind eine Zumutung. Sie verstören, sie sind – dafür genügt es schon, allein «Funny Games» von 1997 anzuschauen – imstande, binnen zwei Stunden jeglichen Glauben an die Menschheit  verlieren zu lassen. Sie...

Drama ist überall

Herr Pichon, eines Ihrer wichtigsten Projekte 2022 sind drei zusammenhängende Programme, in denen Sie Ausschnitte aus Johann Sebastian Bachs Werken neu kombinieren. Ist das Ihr barocker «Ring»?
Es ist einfach ein neuer Weg, wie wir in Bachs Meisterwerke eintauchen und sie für uns entdecken können. Und es geht darum, wie wir mit seinem Erbe umgehen, mit seinem...