Traumtänzer und Melancholiker
Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens Oper kein bärbeißiger, brutaler Fischer, sondern ein Traumtänzer, einer, der wohl sogar liebevoller Vater wäre, könnte er sein cholerisches Temperament zügeln.
Grimes wird zum Außenseiter auch deshalb, weil er die Welt mit anderen Augen als die Dorfbewohner sieht, ein Schöngeist, der voller Ehrfurcht den Sternenhimmel deutet, den aber auch das wild aufschäumende Meer als Ort der Verschmelzung mit der Natur – und des Todes – reizt. Wolle und Wachstuch in allen erdenklichen Gelb-Gold-Tönen bestimmen seine Kleidung und die seines Jungen – mit der ganzen Ambivalenz, die diese Farbe vermittelt: Geld, das der ehrgeizige Fischer für eine allseits geachtete Existenz verdienen will, Gefahr, aber auch Schutz und Wärme.
John Charles Pierce, bereits gefeierter Tristan in Innsbruck, ist immer wie von einer sanften Gloriole umgeben und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Zeit der Großzügigkeit in den Kommunen ist vorbei. Das gilt auch für das Ruhrgebiet. Alles kommt angesichts leerer Kassen auf den Prüfstand. Bestehendes, Bewährtes, zuweilen sogar Modellhaftes wird auf Zahlen abgeklopft: Das ökonomistische Denken dringt immer weiter auch in Theater, Museen, Orchester und Konzerthäuser ein. Zwei Beispiele aus...
Wie sich die Titel gleichen: «Keine Angst vor neuen Tönen» nennt Ingo Metzmacher seinen engagierten, ganz persönlichen und unmittelbaren Wegweiser in die Welt der Musik des 20. Jahrhunderts; unter dem Motto «Who Is Afraid of 20th Century Music» veranstaltete und dirigierte der GMD der Hamburgischen Staatsoper – und designierte Musikchef der Amsterdamer Oper –...
Lauter Applaus nach einer eindringlichen «Rigoletto»-Premiere. Der Beifall galt vorerst den Sängern – hier und da etwas unkritisch, muss man anmerken. Einer wunderbar innigen und zugleich brillant höhensicheren, in ihrer kindlichen Unerfahrenheit und Verletzlichkeit überaus glaubwürdigen Jutta Böhnert als Gilda stand Hector Sandoval als Herzog gegenüber, der mit...
