Traumtänzer und Melancholiker
Er liebt seine Jungen, vielleicht allzu sehr. Das verzeiht er sich nicht und quält sie, sucht die Berührung in der Aggression, stößt sie weg von sich, um sie danach umso zärtlicher wieder an sich zu drücken. Und den Neuen küsst er dort auf den Nacken, wo er ihm vorher einen blauen Fleck verpasst hat. Peter Grimes ist in der Innsbrucker Erstaufführung von Brittens Oper kein bärbeißiger, brutaler Fischer, sondern ein Traumtänzer, einer, der wohl sogar liebevoller Vater wäre, könnte er sein cholerisches Temperament zügeln.
Grimes wird zum Außenseiter auch deshalb, weil er die Welt mit anderen Augen als die Dorfbewohner sieht, ein Schöngeist, der voller Ehrfurcht den Sternenhimmel deutet, den aber auch das wild aufschäumende Meer als Ort der Verschmelzung mit der Natur – und des Todes – reizt. Wolle und Wachstuch in allen erdenklichen Gelb-Gold-Tönen bestimmen seine Kleidung und die seines Jungen – mit der ganzen Ambivalenz, die diese Farbe vermittelt: Geld, das der ehrgeizige Fischer für eine allseits geachtete Existenz verdienen will, Gefahr, aber auch Schutz und Wärme.
John Charles Pierce, bereits gefeierter Tristan in Innsbruck, ist immer wie von einer sanften Gloriole umgeben und ...
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Musikalisch ist dieser «Eugen Onegin» top. Roman Kofman hält sein Beethoven Orchester zu koloristischer Detailgenauigkeit an, der leicht dunkel getönte Sopran der 29-jährigen, ihr West-Debüt absolvierenden Irina Oknina gibt Tatjana reizvollen Umriss, Peter Danailov (Onegin) zeigt nach betont maskulinen Verdi-Partien überraschend weiche Facetten in Gesang und...
Wer kennt sie nicht, die Barcarole aus Jacques Offenbachs Oper «Hoffmanns Erzählungen»? Eigentlich entstammt sie der Ouvertüre der siebzehn Jahre zuvor entstandenen, für Wien komponierten, dort auch erfolgreich uraufgeführten Oper «Les Fées du Rhin», deren deutscher Titel etwas irreführend «Die Rheinnixen» heißt. Denn um Nixen im Sinne von Undinen geht es in dem...
Ihr sängerisches Alptraumerlebnis hatte Ira Malaniuk 1951 in Bayreuth. Natürlich nicht als Magdalene in den «Meistersingern», für die sie von Wieland Wagner engagiert worden war und auf die sie sich bestens vorbereitet hatte. Sondern mit der «Rheingold»-Fricka, die zwar nicht zu ihrem Repertoire gehörte, die aber als Cover-Partie im Kleingedruckten ihres Vertrages...
