Tratsch und Tod
Ein Dorf in Süditalien haben Bühnenbildner Paolo Fantin und Regisseur Damiano Michieletto für Mascagnis «Cavalleria rusticana» und Leoncavallos «Pagliacci» an Covent Garden skizziert. Keinen Postkartenort, sondern eine schmuddelige Siedlung in einer wirtschaftlich maroden Gegend, mit Satellitenschüsseln als Fassadenschmuck und bröckelndem Putz. Man ahnt, wie sich in den Gassen die Hitze staut, wie Abwassergeruch die Luft verdickt.
Dass die Bewohner die Abende draußen verbringen, mit Tratsch und Kirchenkram, und dass jeder hier vom Nachbarn alles weiß: Kein Wunder, dass Turiddu die Affäre mit der verheirateten Lola vor seiner Ex Santuzza nicht verbergen kann.
Mamma Lucia unterhält mit Turiddu eine Bäckerei, unterstützt von weiteren Clanmitgliedern (eine Anspielung auf Mascagnis Herkunft). Cousin Silvio schaufelt fleißig Laibe in den Ofen – und verknallt sich in Nedda, die schon mal Plakate klebt für die «Pagliacci»-Show in der Dorfschul-Aula. Zu den Klängen des «Cavalleria»-Intermezzos küsst er sie zum ersten Mal: So verknüpft Michieletto die beiden Kurzopern. Und im «Pagliacci»-Zwischenspiel wiederum begegnen wir noch einmal Santuzza, die schluchzend ihrem Priester beichtet und nun ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Wiebke Roloff
Einen Liederzyklus von Franz Schubert mit dem Titel «Poetisches Tagebuch» gibt es nicht, wohl aber neun Einzellieder auf Texte des jung verstorbenen romantischen Dichters Ernst Schulze, die Schubert der posthumen Ausgabe von dessen «Poetischen Tagebuch» entnahm. Nur zwei dieser Lieder hat Schubert zu einem Liederheft mit eigener Opuszahl zusammengefasst, darunter...
Ein «Siegfried» in brutto viereinhalb Stunden, das ist rekordverdächtig – und am Teatro Massimo in Palermo sowohl Ärgernis als auch Grund zur Freude. Ein Ärgernis deshalb, weil Pausen von nur zweimal zwanzig Minuten einen Wagner-Abend nicht kürzer, sondern länger wirken lassen. Dass so etwas kein nebensächliches organisatorisches Detail ist, belegt die eher kühle...
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf...
