Träume von mehr bis minder machtfreien Theatern
Frau Meyer, Sie saßen acht Jahre lang als einzige Frau in der deutschsprachigen Opernkonferenz, dem Verbund der großen Opernhäuser in Deutschland, der Schweiz und Österreich. An was fühlten Sie sich mehr erinnert: an Herbert Grönemeyers gesungenes Diktum, Männer seien einfach unersetzlich? Oder doch, paraphrasierend an Heine: Denke ich an Opern-Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht?
Birgit Meyer: (lacht) Ich würde mich vermutlich eher für das zweite Zitat entscheiden.
Aber im Ernst: Es ist im Grunde eine absurde Situation, die auch vorerst unverändert bestehen bleibt. Wenn ich ausscheide, wird Susanne Moser nachrücken, die gemeinsam mit Philip Bröking mit Beginn der Spielzeit die Intendanz an der Komischen Oper Berlin übernommen hat und als neue Vorsitzende gewählt wurde. Ich schätze sie sehr. Erst 2024 werden dann zwei neue Intendantinnen in die Runde eintreten. Während der Zeit, in der ich in diesem Plenum saß, gab es quasi keinerlei Bewegung, Es herrschte ein großes Schweigen. Und darin besteht meines Erachtens das tiefere Problem: Es gibt einfach zu wenig Frauen, die überhaupt auch nur ins Gespräch kommen, wenn es um die Neubesetzung von leitenden Posten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Forum Macht, Seite 102
von Jürgen Otten
Kein anderer Schriftsteller ist auf der Opernbühne so präsent wie E.T.A. Hoffmann, aber nicht mit einem eigenen Werk, sondern als Titelheld von Jacques Offenbachs doppelbödiger Opéra fantastique «Les Contes d’Hoffmann», die zu den populärsten Stücken des Musiktheaters gehört. Den wenigsten Zuschauern dieser genial doppelbödig zwischen Fantasie und Realität...
Es ist nur ein Gedankenspiel. Aber eines, mit dem schon Immanuel Kant liebäugelte, als er die These aufstellte, dass wir die Welt, wie sie an sich ist, im Grunde gar nicht erkennen können, und dass jedes Erkannte, unabhängig davon, was wir erkennen, immer auch irgendwie von Menschen gemacht sei. Kants Theorem animierte weit mehr als 200 Jahre später den Philosophen...
Komponierender Dirigent oder dirigierender Komponist? Welche Befähigung ist stärker, welche «Berufung» zwingender? So lauten die Fragen, wenn Komponist und Dirigent sich in einer Person versammeln. Gustav Mahler (zu Beginn des 20. Jahrhunderts) und Pierre Boulez (über weite Strecken der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) besetzten dank vollendeter Kompetenz und...
