Tödliche Liebe
Sage und schreibe 16 Opern hat der junge Verdi zwischen 1839 und 1850 komponiert. Wäre er vor dem «Rigoletto» gestorben, würde er heute ebenso vergessen sein wie die älteren Kollegen Giovanni Pacini und Saverio Mercadante. So aber erfreut sich sein Frühwerk des gleichen Interesses wie das des jungen Mozart.
Das gilt selbst für eine nach allgemeiner Übereinkunft der Verdi-Zunft misslungene Oper wie den 1848 uraufgeführten «Corsaro», den er nach seinem Zerwürfnis mit dem Verleger Francesco Lucca gewiss widerwillig, aber nicht lustlos, gar desinteressiert schrieb, wie man ihm immer wieder unterstellen wollte.
Allerdings kann auch die neue, von Fabio Biondi 2019 beim Warschauer Chopin-Festival eingespielte Gesamtaufnahme des 90-minütigen Stücks nicht verbergen, dass Verdi in den beiden ersten Akten allzu oft zu musikalischen Gemeinplätzen und vorgestanzten Standardformeln, platten Chören oder stereotypen Kabaletten griff. Biondi und sein schlank besetztes Originalklang-Orchester Europa Galante punkten mit feinen Instrumentalnuancen und sorgen im Finale des zweiten Aktes für rhythmischen Drive und theatralen Schwung. Aber der starren, schematischen Dramaturgie des auf eine ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
Was für ein poetisches Bild. Eine Frau sitzt versonnen an einer Orgel, die Rechte sanft auf die Tasten gelegt, sie scheint darüber nachzudenken, wie der Ton, den sie gleich anschlägt, klingen möge, was er auslösen, bewirken könnte in all seiner Flüchtigkeit, Resonanz und (möglichen) Kontingenz. Oder ob nicht vielleicht nicht dieser einzige Ton imstande wäre, die...
63. JAHRGANG, NR 03
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In einem Essay aus dem Jahr 1978 mit dem Titel «Ins eigene Fleisch» entwirft Wolfgang Rihm das idealische Wesen und Sein seiner ästhetischen Existenz. Und er tut dies mit einer Selbstverständlichkeit, die das Übermäßig-Unbotmäßige seines Komponierens schon zu diesem relativ frühen Zeitpunkt evoziert: «Ich habe die Vorstellung eines großen Musikblocks, der in mir...
