Bo Skovhus (Wozzeck), Camilla Nylund (Marie) in Düsseldorf; Foto: Monika und Karl Forster
Todeszonen
Die Wanduhr steht auf 6:57. Zwei, drei, vielleicht fünf Minuten, dann wird es vorbei sein. Von der Seite schauen Wachleute ungerührt zu dem Mann herüber, der, auf einer Pritsche festgeschnallt, noch mal den Kopf hebt und verzweifelt durch das bruchsicher verglaste Fenster blickt, hinter dem eine Gruppe Zivilisten sitzt, stumme Zeugen seiner Hinrichtung. Das Rollpult mit den Ampullen ist betriebsbereit, die Schläuche zur Armvene sind fixiert. Das Gift kann fließen. Ein Justizbeamter in Westernstiefeln prüft die Zeit, während ein Geistlicher den Delinquenten nach letzten Worten fragt.
«Hopp, hopp», stammelt der, und es ist, als drücke die ganze Not seines geschundenen Lebens diese Laute nieder. Es sind die Worte, mit denen Mariens Knabe am Ende von Alban Bergs Büchner-Oper auf dem Steckenpferd zur toten Mutter reitet. Hier sind es Wozzecks Worte.
Stefan Herheim und sein Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach rollen das Drama gleichsam von hinten auf. Als rasenden Film, der im Moment des Sterbens abläuft. Kopfkino aus der Todeszone. Die Streicher der Düsseldorfer Symphoniker setzen gerade zum ersten, abschüssigen Glissando an, die Holzbläser zum sprunghaften Geplapper, das die ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrcht Thiemann
Sieben Uraufführungen, sieben Metropolen, sieben Stationen der Operngeschichte – «a soundtrack to the history of Europe», so Tristram Hunt, Direktor des Victoria & Albert Museums in London, will die Ausstellung «Opera: Passion, Power and Politics» sein. Einen Soundtrack gibt es tatsächlich, via Kopfhörer; er passt sich per Bluetooth flexibel dem Standort des...
Eben noch singt die einsame Dame des Hauses ein melancholisches Lied. Da öffnen sich plötzlich alle Türen, und im Nu füllt Festgesellschaft die Bühne, Champagner fließt in Strömen, und alles dreht sich im Walzertakt. Ja, das ist Operette! Wenn dann noch der Zigeunerprimas hereintritt und seine Geige schluchzen lässt, wissen wir: Das ist Operetten-Ungarn, das Land...
Die Liste der bemerkenswerten Händel-Einspielungen wächst, die Repertoirelücken füllen sich langsam. Dafür sorgen nun auch die Neuaufnahmen von «Ottone», dem Erfolgsstück aus Händels erster Londoner Academy 1723, und «Il trionfo del Tempo e del Disinganno». Vom «Trionfo» gibt es im Handel zwar gut ein halbes Dutzend CD-Aufnahmen, aber mit der Neuproduktion vom...
