Schwanentanz: Rainer Hustedt (Kurt), Rainer Domke (Bence); Foto: Rolf K. Wegst
Großes Aufgebot
Eben noch singt die einsame Dame des Hauses ein melancholisches Lied. Da öffnen sich plötzlich alle Türen, und im Nu füllt Festgesellschaft die Bühne, Champagner fließt in Strömen, und alles dreht sich im Walzertakt. Ja, das ist Operette! Wenn dann noch der Zigeunerprimas hereintritt und seine Geige schluchzen lässt, wissen wir: Das ist Operetten-Ungarn, das Land von Kálmán Imre, seiner liebenswerten Kunst. Und nun kommen auch noch die Husaren, fesch, schneidig! Die Trompete bläst zum Herbstmanöver. Die schlanken k.u.k.
-Offiziere lassen sich von den versammelten Weiblichkeiten bewundern. Die Kanonen donnern, die Befehle donnern, die beleidigte Ehre donnert. Wenn es keine brenzligen Missverständnisse gäbe, wäre das Stück schnell aus. So aber dauert’s satte drei Stunden, bis sich die Baronin und der Oberleutnant glücklich finden.
Nein, im Gießener Stadttheater wird bei der leichten Muse nicht gegeizt! Aus der ungarischen und der Wiener Fassung von Kálmáns «Ein Herbstmanöver» sowie mit einigen zusätzlichen Musiknummern zimmerten Regisseur Balász Kovalik und GMD Michael Hofstetter einen umfänglichen, runden Theaterspaß. Kovaliks pfiffig aktualisierter Text (das Original-Libretto ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
Es ist nicht eben die beste aller theatralen Welten, die Leonard Bernstein und sein Librettistenteam mit «Candide» auf die Bühne stellen: Das Stück ist undramatisch, episch, besteht aus einer Folge aneinandergereihter Bilder, die durch erklärende Sprechtexte miteinander verknüpft werden. Also eigentlich die ideale Vorlage für eine konzertante Aufführung – so, wie...
Musikwissenschaftler und andere Puristen dürften nach Betablockern verlangen, den geneigten Abonnenten freut’s. «Les Troyens» auf dreieinhalb Stunden inklusive Pause heruntergekürzt, das ist nicht so arg wie bei Philipp Stölzls «Rienzi»-Quickie in Berlin, aber ein im Doppelsinn einschneidender Fall in Sachen Grand Opéra. Nicht nur, dass am Staatstheater Nürnberg...
Schrekers Süffigkeit macht süchtig. Jedenfalls dann, wenn die fiebrig-nervöse Gespanntheit dieser Musik in all ihrer schwülen Salome-Sinnlichkeit so passionsprall ausmusiziert wird wie im Theater Lübeck. Dort knüpft Andreas Wolf als kommissarischer Generalmusikdirektor an die Zeiten an, als Roman Brogli-Sacher das Zepter schwang und dem Opernhaus – nicht zuletzt...
