Seelenzauber

Aus dem Rundfunkarchiv: der Bayreuther «Parsifal» von 1955 unter Knappertsbusch, mit Mödl und Fischer-Dieskau

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Eigentlich war, sieht man von den Wolken ab, die mürrisch über dem Festspielhaus kreisten und einen missmutigen Blick auf Arno Brekers frisch eingeweihte Wagner-Büste warfen, vieles wie immer an diesem 16. August 1955 in Bayreuth. Auf dem Programm stand Wieland Wagners «Parsifal»-Inszenierung, die ihre Premiere vier Jahre zuvor, bei den ersten Bayreuther Nachkriegs-Festspielen, erlebt und das Publikum in Staunen versetzt hatte.

Eine leere Bühne, ohne jedwede geschichtliche Verortung, damit verbunden ein szenischer Symbolismus, der viele Fragen offenließ («ein gestaltloses, auf individuelle dramaturgische Bezüge verzichtendes Spiel der Schemen und Schatten», wie es in einer Kritik hieß) – das alles sorgte, wiewohl der Regisseur schon 1951 erklärt hatte, er wolle mit seiner Lesart das Museale des Werks aus den Angeln heben und gründlich aufräumen mit jedwedem mythischen Ballast, für veritable Irritationen. Doch einer war da, der ließ das augenblicklich vergessen – ein Bariton von nobler Art: Dietrich Fischer-Dieskau gab sein Debüt als Amfortas.

Bislang war der Live-Mitschnitt dieses Abends nicht verfügbar, er schlummerte in den Rundfunkarchiven. Nun aber gibt es ihn, und man darf ...

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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Jürgen Otten

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