Therapeutisch wirksam
Ob die arg dichotomische Teilung in Monogamie und Polygamie schon zu Mozarts Zeiten ein alter Hut war? Mit seiner Musik jedenfalls meidet der Experte in Liebesdingen jegliches Moralisieren. Die Duette der offiziell falschen Paare im zweiten Akt dieser «Schule der Liebenden» sind von so berückender Intimität und echter Zartheit, dass die Romantik der ewigen Liebe von der Realität der spontanen Erotik kaum mehr zu scheiden ist.
Das Kunstwort der «Polyamorie», die in Alfonsos und Despinas Zentrum für paartherapeutische Intervention als «neue Treue» angepriesen wird, sucht Mozarts Liebeskonzept der Aufklärung nun direkt ins 21. Jahrhundert zu übertragen.
Das klappt in Martin G. Bergers Inszenierung erstaunlich gut, nicht nur, weil er dadurch die sonst immer etwas peinlich unglaubwürdige Verkleidungsklamotte meidet. Derlei bemühter Zauber weicht an der Staatsoper Hannover einer anderen Verwandlung: Hier fallen alle Hüllen. Schließlich spielen die antrainierten Beziehungsbilder textilfrei kaum mehr eine Rolle. Darum stellen Despina und Alfonso ihre Patienten vor die Frage: Erkennen die Paare sich mit verbundenen Augen und gerade so, wie Gott sie schuf, überhaupt noch wieder? Mitnichten. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Der Tod sitzt mit am Tisch auf Burg Kareol. Neun Kinderpuppen in blauer Krankenhauskleidung, von ganz klein bis jugendlich groß, sind da an einer langen Tafel zum Abendmahl vereint, vor sich leere Teller und halbgefüllte Gläser. Und allen sieht man an, dass der Krebs in ihnen wütet, leukämisch vermutlich. Die Schädel blank, wie ebenfalls der des jungen Mannes, den...
Fangen wir ganz weit vorne an. Bei Orpheus, dem Ur-Sänger. Orpheus erhob seine Stimme, um die Götter zu besänftigen, er wollte seine geliebte Eurydike zurück, die im Totenreich weinte. Was er mit seiner Stimme und der Lyra vermochte, vergeigte der Sehnende allerdings durch seinen Argwohn. Weil er der Kraft der vokalen Überwältigung misstraute, schaute Orpheus sich...
Wie zahllose Musiker seiner Generation gehört Anton Schweitzer (1735-1787) zu den Komponisten, die zwar das Generalbass-Zeitalter hinter sich ließen, aber das rettende Ufer der Klassik nicht mehr erreichten und im Niemandsland der Musikgeschichte verschwanden. Der gebürtige Coburger wirkte im engen heimischen Thüringer Umfeld als Kapellmeister an den Höfen von...
