Nur für Eingeweihte
Siegfried Wagner ist ein Unikat in der Musikgeschichte: So selten seine Opern gespielt werden, so häufig sind die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit seinem Werk. Jetzt liegt eine Dissertation von Daniela Klotz, die zur Promotion an der Universität Salzburg führte, in Buchform vor. Die Autorin untersucht das Vexierspiel, das der Sohn Siegfried mit den Musikdramen seines Vaters Richard treibt. Dabei werden aber ausschließlich die Opernlibretti untersucht, die Musik bleibt weitgehend ausgespart.
Ausgehend von einem Aufsatz Dorothea Renckhoffs begreift Klotz das Werk Siegfried Wagners aus seiner Begegnung mit Oscar Wilde (und speziell mit dessen Märchen «The Fisherman and his Soul»), dessen Ironie ihm ein Paralleluniversum der Intertextualität erschließt (die nach Gérard Genette als «effektive Präsenz eines Textes in einem anderen Text» definiert wird). Ein Komponistenleben lang hat sich Siegfried am Werk seines Vaters abgearbeitet, allerdings nicht imitierend, sondern mit den Mitteln der Parodie, wie die Autorin zu beweisen versucht. Der erste Teil ihrer Untersuchung ist deshalb der Bestimmung dieses polyvalenten Begriffs gewidmet, der Komik und Humor nicht zwangsläufig ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Ekkehard Pluta
Im großen Repertoire blieb «Notre Dame» stets eine Randerscheinung. Umso verdienstvoller, dass die vom Theater St. Gallen traditionell zum Spielzeitende durchgeführten Festspiele die 1903 abgeschlossene Oper von Franz Schmidt nach dem Roman von Victor Hugo ans Licht zogen. Tatsächlich konnte das Festival, dessen Herzstück eine auf dem Platz vor der St. Galler...
Krähe, wunderliches Tier. Hockt da dürrbeinig auf der Stuhllehne, neigt, wie von Geisterhand berührt, von Zeit zu Zeit den Kopf, lauscht dann erneut dem leisen Gesang der dem Wahn Verfallenen, die im wallend weißen Nachthemd vor ihr sitzt und manisch die Hände aneinanderreibt, so als könne sie damit jene schwere Schuld tilgen, die sie auf sich geladen hat. Schon in...
Der Prinz ist amoureux; es klingt ein wenig wie akustisches Parfüm, wenn er vom bezaubernd schönen Bildnis des ihm noch unbekannten Mädchens schwärmt: «Ô douce et charmante inconnue / Qui vient de t’offrir à mes yeux». Wobei es sich hier, eingespielt vom renommierten «Le Concert Spirituel» unter Hervé Niquet mit dem Tenor Mathias Vidal, musikalisch durchaus um die...
