The singer is the message
Starkes Cover. Eine Frau mit blondgelockten Haaren im Stil der «Sixties», den Mund weit geöffnet, vielleicht zum Schrei. Ihr Blick ist herausfordernd, fast provozierend in seiner Fixierung auf einen Gegenstand oder etwas anderes, das außerhalb des Bildes liegt.
Cathy Berberian konnte so gucken, sie war eine große Performerin, doch bevor sich Anne-May Krüger den Interpretationen dieser exaltierten Ausnahmekünstlerin zuwendet (und ebenso denen von Carla Henius und Roy Hart), zitiert sie erst einmal den Dramatiker, Schriftsteller und marxistisch geschulten Denker Peter Hacks: «Die Wissenschaft weiß nicht alles. Und dort, wo sie weiß, taugt sie noch längst nicht für die Kunst.» Dass Krüger ausgerechnet dieses Bonmot an den Anfang ihrer Studie «Musik über Stimmen» (mit dem etwas sperrigen Untertitel «Vokalinterpretinnen und -interpreten der 1950er und 60er Jahre im Fokus hybrider Forschung») stellt, bekundet nicht nur die Fähigkeit der Schweizer Sängerin, Musikwissenschaftlerin (und bald auch Librettistin) zur leisen Selbstironie, es verweist auch auf den Kern dessen, um was es ihr geht. Anne-May Krüger will einen Raum (er)öffnen, in dem sich das Kunstwerk und seine ausgewählten ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Medien, Seite 31
von Jürgen Otten
Make love, not war!» In einer zugespitzten Weltsituation hat dieser Aufruf fast existenzielle Bedeutung. Der «Armida»-Stoff aus Torquato Tassos Epos «Das befreite Jerusalem» behauptete durch die Jahrhunderte hindurch dennoch das Gegenteil: Männliche (Kriegs-)Disziplin sei besser als erotische Verweichlichung. In Potsdam entwickelt Haydns Vertonung eine packend...
Wer mit so populären Werken wie Faurés Requiem und dem noch bekannteren Mozarts gegen die diskographische Konkurrenz anzutreten wagt, muss Neues zu sagen haben. Für Raphaël Pichon wie für Thibaut Lenaerts trifft dies zu, kommen sie doch beide aus der historisch informierten Aufführungspraxis. Pichons Blick auf Mozarts Schwanengesang ist entscheidend geprägt durch...
Die Musikwelt ist ungerecht. Weil sie falsch urteilt. Oder Lücken schafft. Oder verdrängt. Oder alles zusammen. Im Fall des österreichisch-jüdischen Komponisten und Literaten Adalbert von Goldschmidt, der 1848 als jüngstes von sechs Bankiers-Kindern im Reichtum geboren wurde und 1906 in völliger Armut starb, liegt die Schuld jedoch in erster Linie beim...
